Künstliche Intelligenz: Goodbye, Stephen…

Einer der ganz großen Wissenschaftler und Denker ist von uns gegangen: Stephen Hawking. Nicht lange vor seinem Tod warnte er: „Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz könnte entweder das Schlimmste oder das Beste sein, was den Menschen passiert ist.“ Dennoch sei es besser, sich auf die Vorteile für die Menschen zu konzentrieren.

Laut Hawking wird die Künstliche Intelligenz (lesen Sie dazu auch den Beitrag von Ann-Kathrin Tegtmeier) irgendwann sogar einen Punkt erreichen, ab dem sie als eine „neue Lebensform“ einzustufen ist. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Die Entwicklungen stecken hierbei noch in den Kinderschuhen. Und auch bzw. vor allem die Geschäftswelt wird sich dadurch in den nächsten Jahren grundlegend verändern (mehr dazu im Interview mit Frank Michna).

Erste Gehversuche

Geforscht wird in diesem Bereich bereits seit langem. Besonders medienwirksam gelingt dies IBM mit „Watson“. Der Supercomputer (nach Thomas J. Watson, einem der ersten Präsidenten von IBM, benannt) wurde als hochwertige semantische Suchmaschine geschaffen. Diese kombiniert Algorithmen der natürlichen Sprachverarbeitung und der Informationsrückgewinnung mit Methoden des Maschinellen Lernens, der Wissensrepräsentation und der automatischen Inferenz. Watson kann auf diese Weise automatisch Schlussfolgerungen aus einer bestehenden Wissensbasis ableiten, denn der Supercomputer enthält Softwaremodule zur Erstellung von Hypothesen, ihrer Analyse und Bewertung. Er greift dabei auf eine Aussagensammlung und umfangreiche Textbestände zurück, ist jedoch nicht mit dem Internet verbunden.

So hat Watson beispielsweise ein komplettes Marketing-Magazin (The Drum) im Alleingang gestaltet. Der Computer wurde dafür zusätzlich in Design- und Geschmacksfragen geschult, um dem Lifestyle-Magazin „Leben“ einhauchen zu können. Und das Experiment ist laut Experten und Leser durchaus gelungen. Damit eröffnete eine Künstliche Intelligenz erstmals eine völlig neue Dimension des Machbaren im Bereich der Content-Erstellung.

Es gibt noch viel zu tun

Dass bezüglich Künstlicher Intelligenz aber noch viel zu tun ist, zeigten Microsofts erste Gehversuche. Der Roboterteenie „Tay“, sollte vor einiger Zeit vor allem junge Menschen mit ebenso junger Sprache ansprechen. Klar gekennzeichnet als ein „Social Bot“, tauchte Tay in verschiedenen sozialen Netzwerken auf. „Je mehr du mit ihr sprichst, desto schlauer wird Tay“, forderte Microsoft die Nutzer auf. Gesagt getan. Leider wurden die Moral-Algorhyrmen sträflich vernachlässigt. Bestimmte Signalwörter wie Holocaust oder Hitler hätten zu vorher definierten Antworten-Routinen führen müssen. Haben sie aber nicht. So gab die virtuelle Dame leichtfertige Aussagen von sich wie: „Bush hat 9/11 gemacht und Hitler hätte einen besseren Job erledigt als der Affe, den wir jetzt haben. Donald Trump ist die einzige Hoffnung.“ Keine 24 Stunden nach ihrer Geburt starb Tay deshalb wieder den Online-Tod. Mit dem Chatbot „Zo“ nahm Microsoft jedoch bald einen neuen Anlauf: Der diesmal männliche Chatbot hat aber bei Fragen nach Tay und bei politischen Themen einen Maulkorb verpasst bekommen.

Obwohl Microsofts Chef Nadella durchaus vor Szenarien wie Orwells 1984 oder Huxleys „Brave New World“ warnt, legt sich der Konzern beim Thema Künstliche Intelligenz ordentlich ins Zeug. Kürzlich präsentierte Microsoft beispielsweise den sogenannten Presentation Translator. Dieser übersetzt den zu einer Powerpoint-Präsention gesprochenen Text in Echtzeit und schreibt ihn als Untertitel unter die Präsentation.

Natürlich mischt auch Google mit. So hat das Unternehmen beispielsweise 2012 den Artificial-Intelligence-Spezialisten und Futuristen Ray Kurzweil als Director of Eningeering ins Boot geholt, sowie das AI-Unternehmen DeepMind übernommen. Jetzt sind die ersten Ergebnisse der AI-Forschung in Form von RankBrain in die Google-Suche geflossen, die dank RankBrain „smarter“ arbeitet. Seit einigen Monaten wird ein Großteil der Millionen Suchanfragen von dem AI-System interpretiert. Dies soll vor allem dabei helfen, Suchanfragen zu bearbeiten, die noch nie zuvor eingegeben wurden.

An der Schwelle zu einer neuen Welt

Was Google in punkto Übersetzung leistet, mutet fast ein wenig wie Star Trek an: Seit etwa einem Jahr hat Google Translate, das Übersetzungsprogramm, das nach zehn Jahren inzwischen 103 Sprachen übersetzt, ein eingebautes neuronales Netzwerk, also einen lernenden Algorithmus. Dieses macht sogenannte Zero-Shot-Übersetzungen möglich. Das sind Übersetzungen zwischen zwei Sprachpaaren, die es vorher nicht gab. Ein Beispiel: Google trainiert seine Maschine darin, von Englisch in Koreanisch zu übersetzen und umgekehrt. Gleiches gilt für Englisch und Japanisch. Doch die Maschine kann jetzt auch von Japanisch nach Koreanisch übersetzen – ohne dass es erklärt wurde. Die Entwickler folgern daher, dass das neuronale Netz deshalb eine eigene Sprache entwickelt hat, eine Interlingua.

Wo auch immer die Reise in punkto Künstliche Intelligenz auch noch hingehen wird: „Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen, mutigen Welt“, um noch einmal Stephen Hawking zu zitieren. Die zukünftigen Entwicklungen bleiben in jedem Fall spannend. Und eines steht fest: Er wäre sicher gerne dabei gewesen.

R.I.P.

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Sabine Jobstmann

Sabine Jobstmann

Sabine Jobstmann ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Marketing und Vertrieb (und einer Vorliebe für Star Trek und Zumba).