Liegt eine Monitoring-Tool-Standardisierung im Interesse jeden Anbieters?

Dass Social Media Monitoring ein facettenreiches Thema ist, haben wir ja durch die bisherigen Beiträge schon deutlich gemacht. Insbesondere die Perspektive der Anwenderseite haben wir über die Beiträge hierhier und hier bereits beleuchtet. Dabei haben wir die verschiedenen Zielsetzungen und Herausforderungen für das Monitoring und die Analyse von Social Media Aktivitäten betrachtet. Angerissen haben wir auch schon die Anbieter-Seite im Interview mit Stefanie Assmann und Sten Franke, was für uns allerdings noch weitere Meinungen bedurfte. Deshalb haben wir noch ein Interview mit Anna-Maria Zahn geführt, die als Marktanalystin zum Thema Social Media Monitoring und Fachgruppen-Leiterin beim BVDW einen guten Überblick über den Markt hat.

Ich habe wie immer die für mich wichtigen Aspekte aus dem Video nachfolgend kurz zusammengefasst.

  • Anwender-Bewusstsein über Social Media Monitoring
    • Professionalisierung im Markt sowohl bei den Anbietern als auch bei den Anwendern => Ohne Strategie keine verwertbaren Ergebnisse
  • Marktstruktur der Social Media Anbieter
    • Fullservice-Anbieter, Technologieanbieter => von Anfang an besetzt, Methoden entwickelt zur Aufbereitung und Auswertung
    • Medienbeobachtungs-Dienstleister => klassische Medienbeobachter entdecken Social Media als neues Format und CRM-Tools und integrieren das (durch Zukauf) in ihr Portfolio
    • Social Monitoring Lösungsanbieter => reine Software-Anbieter, ohne Consulting-Ansatz
  • Unterscheidungsmerkmale für Anbieter
    • Analyseansatz: Auswertung von historischen Daten (Post-Analyse) oder Echtzeit-Daten (Echtzeit-Analyse)
    • Funktionale Abdeckung des Monitoring-Prozesses: Datenerhebung, Datenaufbereitung, Datenanalyse
    • Angebot an Service-/Consulting-Leistungen: Fullservice-Anbieter oder Self-Service-Anbieter
  • Trends und Entwicklung auf Anbieterseite
    • Professionalisierung
    • Anbieter (v.a. in Deutschland) sind schon lange auf dem Markt
    • Kunde stellt Forderung
    • es braucht dringend eine Standardisierung von Auswertungsobjekten (Blog, Forum, Bewertungsportale etc.) => hier gibt es viele Unterschiede zwischen den Systemen; Beispiel: RSS-Feed eines News-Portal wird nach der technischen Herkunft (RSS!) als Blog klassifiziert, was zu einer mangelnden Vergleichbarkeit führt.
  • Quellenabdeckung der verschiedenen Tools
    • Bisher Stärke deutscher Anbieter gegenüber internationaler Anbieter, doch der Standortvorteil ist nicht von Dauer
    • Deutsche Anbieter müssen USP ausbauen und sich in der Standardisierung festlegen

Um Tools also vergleichbar zu machen, bedarf es einer Standardisierung der Datenerhebung und -klassifizierung. Wie aber lässt sich das in absehbarer Zeit umsetzen? Liegt es wirklich im Interesse aller Anbieter, die Tools aufeinander abzustimmen? Ist es nicht das individuelle Toolangebot, das einen Anbieter ausmacht und das auch die Anwender vorziehen, um ihr bevorzugtes Analyseziel abzudecken?


  • Anna-Maria Zahn

    Hallo Ann-Kathrin,

    danke erst einmal für die Zusammenfassung des Interviews. Zu Deiner Frage: Eine gewisse Standardisierung braucht es aus meiner Sicht in jedem Fall, sonst werden Social Media Reports, Social Media Analysen und Social Media KPIs nie untereinander vergleichbar sein. Und es wird nie wirkliche Benchmark-Größen geben. Wenn jedes Tool Blogs, Foren, Bewertungsplattformen, Kommentare auf Newsseiten etc. unterschiedlich klassifiziert und die Kernkennzahlen des Monitorings unterschiedlich misst, werden es Agenturen und Unternehmen immer schwer haben, die Ergebnisse unterschiedlicher Monitorings zu vergleichen. In allen Branchen wurde sich irgendwann auf ein Mindestmaß an einheitlichen Mess-Standards geeignet.

    Problem der Monitoring-Branche ist es, dass sie noch sehr jung ist und viele sich noch nicht als Branche verstehen, da sie aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen. Zudem wagen viele den Expertenaustausch mit anderen Anbietern noch nicht. Dabei würde das die Professionalisierung und damit die Glaubwürdigkeit und Etablierung des Social Media Monitorings insgesamt fördern.

    Es geht mir also nicht, um die Vernichtung der USP der Anbieter, sondern nur um die Vergleichbarkeit der mit den Tools erhobenen Daten, wie es eben auch in anderen Branchen der Fall ist. USP-Möglichkeiten gibt es genügend, Stichwort: Schnelligkeit & Vollständigkeit der Datenbereitstellung oder Bedienfreundlichkeit und Verständlichkeit der Dashboards oder der Service & Preis.

    • Ann-Kathrin Tegtmeier Post author

      Hallo Anna,
      wow, vielen Dank für die ausführliche Antwort.
      Ich verstehe, was du meinst.