Mobile Commerce = Social + Local + Tablet.

Ich bin gerade in der Vorbereitung des „Future Commerce SUMMIT“ und beschäftige mich daher einmal mehr mit den Entwicklungen im Bereich der E-Commerce-Konzepte. Für die Veranstaltung haben wir uns vier große Themen vorgenommen:

  • Bargain Commerce: Preis-orientierte Modelle, die auf den Schnäppchen-orientierten Impulskäufer ausgerichtet sind
  • Facebook Commerce: Commerce-Konzepte. Sprich Konzepte, die sowohl ein Sortiment als auch den Kaufprozess in Facebook integriert haben und die viralen Empfehlungsmechanismen nutzen.
  • Tablet Commerce: also neue Shop-Darbietungskonzepte für die Tablet-Computer-Welt (insb. dem iPad) und dem Couch-Surfer.
  • Local Commerce: also Shop-Konzepte, die auf Location-based Services oder Mobile Couponing setzen.

Die Frage, die ich mir im Rahmen der Themenkonzeption immer noch stelle, ob wir nicht auch das Thema „Mobile Commerce“ adressieren müssen. Nach verschiedenen Gesprächen und meinen Recherchen würde ich dies aber zu verneinen – warum? Weil Mobile in der Reinform kein Zukunftstrend ist! Als „Mobile Commerce“ in der Reinform sehe ich den portierten Produktkatalog. Dieser ist vielmehr ein „Must-Have“-Kriterium für die Projekte, mit dem sich allerdings „kein Blumentopf gewinnen“ lässt. Vielmehr muss die mobile Strategie im E-Commerce einen „mobilen Mehrwert“ bieten und diesen würde ich auf folgende Gleichung reduzieren:

Mobile Commerce = Social + Local + Tablet.

Mobile Commerce is Social Feedback.

Dass die sozialen Medien derzeit en vogue sind, ist sicherlich jedem klar. Auch im E-Commerce-Sektor hat „social“ mit dem Siegeszug von Facebook und Twitter eine neue Dimension bekommen. Während die ersten „Social Commerce“-Konzepte jeweils auf spezialisierte soziale Plattformen wie Smatch, Stylight und anderen begrenzt waren, hat das Thema mit der Verbreitung der sozialen Infrastruktur-Dienste wie Facebook und Twitter eine neue Spielart erhalten, in der Empfehlungen von Freunden eine zentrale Filter- und Entdeckungsfunktion für den Konsumenten einnehmen. Mit der Portierung der sozialen Netzwerke auf die mobilen Endgeräte bekommen diese Funktionen eine ubiquitäre (sprich überall verfügbare) Dimension. Konsumenten können nun in der realen Kaufsituation von unterwegs, ihr Freundesnetzwerk um Rat und Empfehlung fragen. Damit der Empfehlungsprozess ohne Umstände für den Konsumenten möglich wird, braucht es einfache Wege und technische Unterstützung um die Produkte aus der realen Welt in den Empfehlungsprozess der virtuellen Netzwerke zu transportieren. QR-Codes auf Produkten mit Links zu den Produktseiten im Web als „sharable objects“ sind hier ein Ansatzpunkt.

Mobile Commerce is Local Commerce.

Die Aufwertung bzw. Implusgebung des realen Kaufaktes durch die Nutzung von mobilen Services am POS ist ein weiteres spannendes Thema. Hierbei sind verschiedene Aspekte anzuführen: zum einen das Thema „Mobile Couponing“, was diesen Aspekt über die Smartphones hinaus relevant macht.

Eine schöne Erklärung zu diesem Thema gibt es im „Mobile Couponing Blog“ von Oliver Steiner:

[Beim Mobile Couponing] muss sich der Handybesitzer vorab online registrieren und bekommt dann entweder via SMS/MMS (PUSH-Methode) oder Location Based Services-Application (Geolocation bzw. PULL-Methode) elektronische Coupons/Gutscheine unterschiedlicher Unternehmen auf sein Handy übermittelt. Oftmals wird über ein Programm (App), dass im Vorfeld auf dem Mobiltelefon installiert werden muss, die Darstellung, Auswahl und Einlösung des Coupons/Gutscheins ermöglicht.“

Den Turbo für die ortsbezogenen, mobilen Couponing-Angebote erhalten die Ansätze laut TechCrunch wiederum durch die Koppelung mit dem sozialen Graph der virtuellen Netzwerke. Im mobilen Zugriff auf das Vierergespann aus Facebook, Foursquare, Yelp und Groupon sieht TechCrunch daher auch die Zukunft des Local Commerce:

  • Facebook: provides the Social Graph, which is fast becoming a utility. Through its open platform, and APIs, we share more about our lives and our interactions online and on mobile every day.
  • Foursquare and Gowalla: provide location services and check-ins, along with game mechanics that motivate users to unlock badges, earn mayorships, and get discounts at local stores in the process.
  • Yelp: provides crowdsourced reviews of local businesses. Now also provides check-ins, and offers.
  • Groupon: provides discounted offers against a promise to increase sales and bring in brand new customers to local businesses.

(Quelle: The Future of Local Commerce = Facebook + Foursquare + Yelp + Groupon)

Mobile Commerce is Tablet Shopping Experience.

Als drittes Element der obigen Gleichung zu den Bestandteilen von Mobile Commerce sehe ich die „Tablet Shopping Experience“. Egal ob am kleinen Smartphone oder „großen“ Tablet – die Darbietung der Produkte und die Benutzerführung unterliegt auf den mobilen Endgeräten neuen Spielregeln. Während aber die Smartphone-Apps vielfach fokussiert auf bestimmte, reduzierte Shopping-Aktivitäten ausgerichtet sind, bieten die Tablets ein komplett neues, digitales Anwendungsszenario: das „Couch Shopping“. Was klassisch über den Katalog realisiert wurde, bringen nun die Tablets in die digitale Welt.

Im Gastbeitrag bei Deutsche-Startups zitiert Stephan Meixner von twive! den BVH-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer mit folgenden Worten:

„Bis vor einem Jahr hat es für Kunden einen Medienbruch zwischen Schauen und Kaufen gegeben. Diesen Effekt lösen Tablet-PCs wie das iPad auf.“

Die Frage ist, wie Produkte in diesem digitalen Katalog dargeboten und wie die Kaufprozesse abgebildet werden müssen. Abseits der proprietären Shopping-App hat Amazon mit ihrem Windowsshop einen neuen State-of-the-Art definiert, den es für die weitere Zukunft zu diskutieren gilt. (Siehe hierzu auch den Beitrag von Stephan Meixner)

 

Beim kommenden Future Commerce SUMMIT wollen wir einige dieser Punkte anhand von Praxisbeispielen diskutieren. Ich freue mich über Feedback zu der Einteilung sowie über Beispiele, die ich mir in diesem Kontext noch einmal anschauen sollte.

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