„Die Einbindung des Lesers führt zu einem produktiven Ansporn an die Qualität“ – Interview mit Dr. Harald Feldkamp von VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft

Dr. Harald Feldkamp, Leiter E-Business beim VNR gab uns in den vergangenen Tagen ein Interview zum Thema journalistisches Arbeiten im B2B-Bereich. Ein spannendes Thema – denkt man bei B2B doch oft gleich an verstaubte Hierarchien und „Beschallung“ der Leser. Herr Dr. Feldkamp gibt uns hier neue Einblicke in den Alltag eines New-Economy Titels. Auf dem Future Media SUMMIT wird er am 30.03.2011 einen Vortrag zum Thema „Inhaltsformate für Fachmedien“ halten.

1) Herr Dr. Feldkamp, Sie sind Leiter E-Business beim VNR und berichten beim kommenden Future Media SUMMIT über Ihre Erfahrungen beim Strukturwandel eines klassischen Wirtschaftsverlages. Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung durch die sich wandelnde Medienlandschaft?

Die größte Herausforderung ist der Wandel der klassischen Verlagsstrukturen wie z.B. Redaktionsworkflows, journalistische Selbstbild und der Wegfall des durch den klassischen Vertrieb bedingten Marktschutzes. Mitbewerber aus der New Economy-Szene sind freier von diesen Strukturen und können daher schneller und agiler auf den Markt kommen und die Zielgruppe erreichen. Während in Deutschland noch viele Unternehmen diskutieren werden bei New Economy-Unternehmen Fakten geschaffen.

2) Was ist die Zielsetzung und das Kernelement der Online-Strategie von Ihrem Bereich?

Ich habe das Glück nicht an alte Verlagsstrukturen gebunden zu sein und daher frei agieren zu können. Diese Freiheit ist gleichzeitig Kernelement der Online-Strategie und letztendlich zukunftsträchtig und wirtschaftlich. Vom Selbstbild sehen wir uns als ein selbstständiges, autarkes New Economy-Unternehmen innerhalb der Verlagsgruppe. Wir achten von vornherein auf die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Projekte, testen sehr viel, werden jedoch nicht durch „alte Zöpfe“ von Themen wie Kanibalisierung der klassischen Verlagsprodukte ausgebremst.

3) Den Schwerpunkt der Online-Inhalte bei VNR.de bildet Expert-Generated-Content. Was sind hierbei die besonderen Herausforderungen?

Wir legen besonderen Wert darauf, dass unsere Experten Fachleute auf ihrem Gebiet sind und mit beiden Beinen aktiv im Thema unterwegs sind. Aus diesem Grunde schreiben für uns in der Regel auch keine Journalisten, sondern z.B. ein Rechtsanwalt zum Thema Arbeitsrecht. Den journalistischen Anspruch, den wir selbstverständlich auch an ein derartiges Portal stellen, erfüllen wir durch unsere Schlussredaktion und Training der Experten.

4) Was sind die Erfolgselemente für B2B-Titel im Internet? Ist es die sachliche Berichterstattung, die Aufbereitung eines Kontextes zu einem Themenpunkt oder die Bereitstellung von Möglichkeiten zur sozialen Vernetzung und Interaktion?

Es ist die besondere und zielgruppenspezifische Kombination von verschiedenen Elementen, die den Erfolg ausmacht. Zum einen ist die Spezialisierung auf bestimmte Themengebiete im B2B-Bereich genauso entscheidend wie die Möglichkeit zur Interaktion bzw. sozialen Vernetzung. Die aktive Einbindung des Lesers führt nicht nur zu einem Austausch, sondern auch zu einem produktiven Ansporn an die Qualität.

5) Welche Entwicklungen sehen Sie für die Redaktionsformate von B2B-Titeln im Internet? Wohin geht es?

Auf Grund des hohen Informationsangebotes und der limitierten Zeit wird es immer wichtiger schnell die entscheidenden Informationen zu bekommen. Zudem werden immer mehr Artikel auf mobilen Geräten gelesen. Redaktionsformate mit viel Text sind da hinderlich. Der Trend geht eher zu kurzen, prägnanten Texten auf hohem Niveau. Die wichtigste Information gehört dabei an den Anfang, danach Einzelheiten und erst dann werden allgemeine Informationen mitgeteilt.

6) Was sind Ihre Erwartungen für den Future Media SUMMIT?

Ich freue mich auf die Gelegenheit mit gleichgesinnten Kollegen zu netzwerken, spannende Gespräche zu führen und natürlich Impulse zu bekommen.

Vielen Dank für das Interview!

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Lutz Staacke

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