Die Zukunft liegt in der Abkehr von klassischen Produktlisten-Shops!

Hagen Fisbeck ist Geschäftsführer der next-e.biz und Moderator beim kommenden Fashion Commerce FORUM in Hamburg am 22.09. Als Berater setzt er auf eine „ganzheitliche E-Commerce-Beratung“ und kann dabei auf 10-jährige Erfahrungen im strategischen und operativen E-Commerce auf Händlerseite zurückblicken.

1) Hr Fisbeck, Sie sind Moderator beim kommenden Fashion Commerce FORUM, das die aktuellen Trends und Entwicklungen beim Online-Vertrieb von Fashion diskutiert. Was sind für Sie die drei wichtigsten Trends?

Ich sehe eine stärkere Emotionalisierung von Online-Shops hin zu einem visuellen Shopping-Erlebnis und der Verbesserung des Joy of use durch mehr Interaktivität und Dynamic – eine Abkehr von klassischen Produktlisten-Shops wie amazon, otto oder neckermann etc. Damit ist auch ein Trend hin zu mehr individuelleren eCommerce-Lösungen und weg von Standardtechnologien verbunden sowie ein stärkerer Einsatz von html5 und eine Abkehr von Flash. Einkaufen soll zudem Spaß machen und keine Arbeit mehr sein.

Ein weiterer wichtiger Trend steckt im weit gefassten Mobile-Commerce durch die stärkere Verbreitung von Tablet-PCs wie das iPad, die das Einkaufs- und Navigationsverhalten drastisch verändern und somit regelrecht nach neuartigen Online-Shops insbesondere im Fashion-Bereich „schreinen“. Alleine das Berühren des Bildschirms zur Navigation oder Zoom sowie die zurückgelehnte Haltung und nicht mehr vorgebeugte „Schreibtisch-Commerce“-Haltung verlangt neuartige Konzepte. Zudem wird es im Mobile-Commerce aus meiner Sicht zu einer stärkeren verschmelzungen von Online und Offline durch Smartphones wie das iPhone, bspw. durch den Einsatz von QR-Codes, Augmented Reality oder „gemeinsamen“ Shopping mit Freunden kommen (eine neue Chancen für stationäre Händler).

Neue Shoptechnologien werden es ferner ermöglichen, Multistores zu betreiben und somit Zielgruppen- bzw. Bedürfnisspezifischere Online-Shops durch Neukombinationen der bestehenden Sortimente, die in einer zentralen Datenbank (sozusagen Produkte als Cloud-Service) liegen zu ermöglichen, um damit das Multibranding/Multimatching sowie eine noch bessere Spezialisierung zu vereinfachen.

2) Im Mittelpunkt des Fashion Commerce FORUM 2010 haben wir die Diskussion um das ganzheitliche „Shopping-Erlebnis“ gesetzt, weil dies der wesentliche Differenziator im immer gleicher werdenden Leistungs- und Sortimentsangebot im Fashion Commerce wird. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Ich stehe absolut hinter dieser Aussage, da einerseits klassische Produktlisten-Shops, bei denen der Kunde im Prinzip nur gezielt einkaufen kann – insbesondere im Fashion-Bereich – keine Zukunft haben werden. Auch All-In-One Standardsoftware-Lösungen werden es künftig schwerer haben zu bestehen, da die Anbieter sich auf den Nutzernahen Ebenen stärker differenzieren wollen und eigene Eomotionale Einkaufserlebnisse zur Differenzierung schaffen müssen. Auf den reinen Transaktionsebenen hingegen ist mehr Standardisierung möglich.

3) Was sind für Sie die wesentlichen Elemente für ein ganzheitliches Shopping-Erlebnisses?

Die Nutzer müssen Spaß beim Einkaufen haben und müssen emotional durch große Bilderwelten und interaktiven Elementen angesprochen sowie positiv überrascht werden. Eine einfache Nutzerführung sowie Inspiration, Social-Shopping und Beratung werden wichige Elemente sein.

4) Wo liegen die Herausforderungen für die Umsetzung eines solchen Konzeptes?

Klassische Shopsysteme sind einerseits produktorientiert sowie andererseits Listen-Template-basiert. Dies wird eine der Herausforderungen sein, das richtige Shopsystem für Fashion-Commerce zu finden. Eine weitere Herausforderung liegt in der richtigen Produktfotografie. Die Produktion von entsprechenden Bildern und Videos, die das emotionalere Einkaufserlebnis fördern, wird wichtiger werden. Multi-Channel-Anbieter können dann nicht mehr einfach die Katalogbilder in den Online-Shop übernehmen, sondern der emotionalere Online-Shop verlangt eine andere Form der Produktfotografie und Aufbereitung der Bilder.

5) Was bringt die Zukunft – wenn nun alle auf das einzigartige „Shopping-Erlebnis“ setzen?

Eine Steigerung der Online-Umsätze im Fashion-Bereich, mehr Spaß beim einkaufen, neuartige Navigationskonzepte und Produktinszenierungen.

6) Welche Erwartungen und Wünsche haben Sie für die Veranstaltung am 22.09.?

Spannende Diskussionen zu neuartigen Verkaufsansätzen und Geschäfsmodellen.

Wie schaffen traditionelle Modeversender den Schritt von der reinen Transaktionsorientierung in die nächste Evolutionsstufe der emotionalen Einkaufserlebnisse und welche Ansätze zeichnen neue, junge und frische Unternehmen aus. Ferner wünsche ich mir Diskussionen, wie die Fashion-Branche auf neue Endgeräte, wie das iPad reagiert und sich dem Thema Mobile-Commerce stellt.