Wohin geht die Reise im Fashion Commerce, Hr Schrader?

Dieser Tage gab es mal wieder eine interessante Präsentation auf Slideshare zu finden. Unter dem Titel „Wie E-Commerce das Versandgeschäft radikal verändert“ (http://slidesha.re/e-fashion2010) hat Matthias Schrader, CEO von SinnerSchrader, nochmals seine Beobachtungen zum Wandel des E-Commerce – insbesondere mit Bezug auf Fashion – dokumentiert. Es sind fortgeführte Beobachtungen eines Vortrags von ihm (siehe hierzu hier die Zusammenfassung), welchen er auch schon 2009 im Rahmen unseres letzten Social Commerce FORUM, der Vorläuferveranstaltung zum Fashion Commerce FORUM, vorgestellt hat.

Grund genug, um ihn hierzu noch einmal ein paar Fragen zu stellen. Dankenswerterweise hat er auch gleich die Antworten geschickt:

1) Hr Schrader – Sie waren 2009 unser Keynoter beim letzten Social Commerce FORUM. In Ihrem Einführungsvortrag wiesen Sie schon damals auf den Fashion-Sektor als E-Commerce-Innovator hin. In einer aktuellen Präsentation (http://slidesha.re/e-fashion2010) bestätigen Sie abermals diese Entwicklung mit interessantem Zahlenmaterial. Was sind die drei wesentlichen Gründe für diese Aussage?

Bereits in der alten Katalogwelt war Fashion das stärkste Sortiment. Doch nur 10 bis 15% der Konsumenten hatten eine Neigung zum Distanzkauf. Heute sind über 80% der relevanten Konsumentengruppen online und kaufen dort ein. Immer mehr Marken erkennen, dass Investitionen in die digitalen Vertriebswege sehr effizient sein können. Dabei wird der Wettbewerb um die Gunst der Käufer intensiver als in den Fußgängerzonen, schließlich ist das nächste Geschäft nur einen Klick entfernt. Die Folge: wir werden noch viele Innovationen und aufwändige Inszenierungen im E-Commerce die nächsten Monate sehen, die nach Aufmerksamkeit suchen und Unterscheidbarkeit begründen sollen.

2) Was sind die aktuellen E-Commerce-Innovationen von Fashion-Anbietern, die wir nicht verpassen sollten?

Zunächst sehen wir aktuell eine sehr gesunde Simplifizierung und Nüchternheit im eigentlichen Shop-Design. Sehr gut zu sehen an Zara und Hugo Boss, die diese Woche mit neuen Auftritten gestartet haben. Hier wurde in der Vergangenheit zu oft völlig unnötig versucht, „Kreativität“ in gelernte Klickstrecken der Konsumenten einzubacken. Innovationen passieren an den Rändern: etwa im Luxury-Segment: hier übt man sich in der Inszenierung von digitalen Fashion Shows.
Spannend ist auch welchen Pull einige Marken auf Facebook entfalten können und wie die Marken darauf mit eigenem Content reagieren. Sehr viel passiert auch unsichtbar, die Logistikketten verändern sich aktuell dramatisch und, das ist ja das wichtigste überhaupt, damit wird die Ware im E-Commerce immer tiefer im Sortiment und frischer. Durch die schnelle Drehung des Sortiments, die Clubs haben es vorgemacht, steigt die Attraktivität eines Shops ungemein.

3) Im Programm des kommenden Fashion Commerce FORUM am 22.09. haben wir die Diskussion um die Gestaltung des optimalen Shopping-Erlebnisses gesetzt. Was sind für Sie die wichtigsten Elemente eines optimalen „Shopping-Erlebnisses“ im Fashion-Bereich und warum?

Als Ergänzung zu den obigen Ausführungen kommt aktuell ein Punkt häufig zu kurz: Mode muss auch verführen und Begehrlichkeiten schaffen – und das am besten im Wochentakt. Hier gibt es noch viel zu tun.

4) Wie stehen Sie zur Aussage: die Prozess-Inszenierung ist zunehmend wichtiger als die Produkt-Inszenierung?

Gerade in der Mode, muss der Fokus ganz klar auf dem Produkt liegen! Die Prozesse bedürfen in der Praxis häufig der stärkeren Anstrengung, dass sollte aber der Konsument nicht merken, vielmehr sollte er positiv überrascht werden. Beispielsweise, wenn er seine Ware garantiert am nächsten Tag bekommt oder die Größenempfehlung passte.

5) Ist das Innovationspotential im E-Commerce nicht irgendwann ausgereizt? Oder was kommt, wenn alle Brands und Händler ihr Shopping-Erlebnis optimiert haben?

Ehrlich gesagt, sehe ich hier für die nächsten Jahre überhaupt kein Ende. Wir stehen gerade erst am Anfang.