Interview zu Trends im Fashion Commerce mit Carsten Görs

1) Hr Görs, Sie sind Program Manager eCommerce Outsourcing bei T-Systems MMS und unterstützen mit T-Systems das Fashion Commerce FORUM. Welche aktuellen Trends sehen Sie im Bereich des Fashion Commerce?

Wir arbeiten in Kundenprojekten oft erfolgsorientiert, somit hinterfragen wir aktuelle Trends nicht nur in Bezug auf Begeisterungsfähigkeit und Innovation sondern gerade auch im Hinblick auf Nutzen und wirtschaftliches Potenzial. Was uns bei der

Weiterentwicklung unserer eCommerce-as-a-Service Plattform derzeit treibt, sind Themen wie Social Product Search, Virtual Dressing Room oder Product Customization. Mobile Commerce Projekte hingegen müssen heute noch keine hochgesteckten Umsatz-Erwartungen erfüllen.

2) In der Vorbereitung zur Veranstaltung haben wir das Fazit gezogen, dass die Anbieter im Bereich Fashion unterschiedliche Schwerpunkte setzen: die Marken setzen auf Produktinszenierung, die großen Spezialversender auf Shopping-Usability und die „Pure“-Ecommerce-ler auf ein umfassendes Online-Einkaufserlebnis. Wie stehen Sie zu dieser Feststellung?

Alle Ansätze haben eines gemein: das Kundenerlebnis über alle Schritte des (Online)-Shoppings hinweg soll nachhaltig positiv beeinflusst werden. Der Online-Kunde will sich ebenso „angesprochen, wohl und zufrieden“ fühlen, wie bei dem Besuch einer Filiale. Aber es gibt in der eCommerce-Welt noch viel zu lernen, um solch einen einfachen Anspruch zu erfüllen – wir haben hier unsere Ideen und arbeiten deshalb intensiv an ganzheitlichen Konzepten und der Integration von Technologien im Bereich Customer Experience Management.

3) Also – allen gemein ist, dass nicht mehr das Produkt, sondern das „Drum-Herum“ auch im Internet entscheidend ist. Ist das so?

Jein, wer im eCommerce-Kanal wachsen will, muss über die gesamte Prozesskette qualitativ hochwertig agieren und skalieren können. Wer jetzt noch mit Empathie und gesundem Verstand genau seine Kunden-Zielgruppe begeistern kann, der wird auch Erfolg haben. Das wird allerdings nicht ohne ein vernünftiges Produkt funktionieren.

4) Welche Herausforderungen gehen mit dem Anspruch eines „Shopping-Erlebnisses“ einher?

Eine der größten Herausforderungen ist es, dass man den Online-Kunden in der Regel nicht (gut genug) kennt und ihn trotzdem Punkt genau bedienen möchte. Nicht erst seit gestern möchte man den Kunden zudem über alle Kanäle verstehen, vielleicht sogar erkennen und mit einem ganzheitlichen Angebot – vom Einkauf über die Bezahlung bis zur Retoure, egal ob online oder offline – gewinnen. Nun, da liegt noch viel Arbeit vor uns.

5) Wenn nun jeder auf die neuen Elemente der Produkt- und Prozess-Inszenierung setzt, wo sehen Sie die Potentiale für die Zukunft?

Der umsichtige Umgang mit den sogenannten 360°-Daten und Plattformen, die aus diesen Informationen nutzenbringende Ergebnisse wie z.B. Empfehlungen (auf Produkt oder Prozessebene) liefern können, werden eine große Rolle spielen. Nugg.ad z.B. hat so etwas im Bereich Online-Marketing vorgemacht. Das Nutzen von Technologien wird das Beherrschen von Technologien ablösen, wir bauen nicht ohne Grund insbesondere auf SaaS-Plattformen und das darauf stützende Full Service Konzept. Als Online-Kunde wiederum weiß ich schon heute, was meine Freunde gerade einkaufen oder was ihnen gefällt und ich lasse mich inspirieren. Endgeräte wie das iPad holen den eShop vom meinem Schreibtisch auf mein Sofa, Smart Home Lösungen wiederum auf den Screen meinem begehbaren Schrank oder in andere vernetzte Endgeräte. Wir stehen, so scheint es, mal wieder rundum am Anfang einer großen Weiterentwicklung im eCommerce.

6) Was erwarten Sie von der kommenden Veranstaltung am 22. Sept.?

Inspiration und interessante Akteure aus der eCommerce-Szene kennenlernen.

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