Experten-Runde zur "Zukunft der PR": Robert Kirsch

Robert Kirsch

Robert Kirsch verantwortet als Managing Director den Geschäftsbereich Digital Communications der internationalen PR-Agentur Weber Shandwick in Deutschland. In dieser Funktion steuert er das Social Media Business Development sämtlicher Geschäftsbereiche der Agentur, entwickelt Social Media Strategien und setzt Kampagnen an der Schnittstelle zwischen Social Media, PR und Marketing um.
Während seiner mehr als zehn Jahre bei Weber Shandwick hat er nationale und internationale Keykunden in den Bereichen Brand, Technology, Corporate Communications und Digital Communications beraten, darunter Samsung, eBay, PayPal, Deutsche Telekom, Metro Cash & Carry, Abbott, Navigon oder Texas Instruments DLP Products. Vor seiner Zeit bei Weber Shandwick war er als Berater bei der Deekeling Arndt Advisors und Media Consulta.

1) Wo liegt die Hauptaufgabe der PR-Verantwortlichen heute? Und wo morgen (plus 5 Jahre)?

Im optimistischen Sinne ist PR bereits heute der Aufbau werthaltiger und transparenter Beziehungen zu verschiedenen Öffentlichkeiten, anfangen bei eigenen Mitarbeitern, über Medien, bis hin zu Meinungsbildnern in Verbänden oder Politik. In der Praxis ist PR heute zur reinen Pressearbeit verkommen und wird fälschlicherweise mit einem besonders engen Draht zur Bild-Zeitung verwechselt. Die PR der Zukunft wird nicht mehr zwischen Public Relations und Social Media Relations unterscheiden, sondern beides synonym verstehen. Die alten Zielgruppen werden durch neue ganz selbstverständlich ergänzt.

2) Brian Solis sieht in der PR 2.0 die Rückkehr zur Öffentlichkeitsarbeit – im Gegensatz zur Nur-Presse-Arbeit. Ist das die Zukunft von PR?

Durch Social Media ist in der Tat der Kern von PR, die „Public“ Relations wiederbelebt worden. Social Media hat den Fokus von den Medien hin zu anderen Meinungsbildnern verlagert und damit die fast vergessenen Zielgruppen wieder ins Augenmerk gerückt. Die Zukunft der PR muss zwingend weg von der Nur-Presse-Arbeit, weil es keine Medien im klassischen Sinne mehr geben wird. Der Zyniker würde sagen, dass sich das Problem von alleine löst.

3) Was sind die Instrumentarien der PR der Zukunft? Ist es eine Abkehr von der Pressemitteilung, hin zu Echtzeitmedien – oder doch nicht?

Das Instrumentarium der PR-Zukunft wird eine Mischung aus altbekanntem und neuen sein. In der PR überleben totgesagte Kanäle und Instrumente länger als man glaubt. Es wird keine Revolution in der PR geben, sondern nur eine Evolution.

4) Ist die Pressemitteilung tot? Was ist ihre Funktion in der Zukunft? Und was wird ihr Format sein?

Die Pressemitteilung wird gerne totgeredet, aber sie ist erstaunlich lebendig. Twitter & Co. werden ihr zwar das Wasser abgraben, aber für viele Unternehmen wird es trotzdem das Instrument der Wahl bleiben – weil sie eben keinen Dialog erlaubt. Man darf nicht unterschätzen, wie viele Unternehmen Transparenz, Feedback und Austausch extrem scheuen. Die PR der Zukunft wird die Pressemitteilung ebenso nutzen wie neuen Echtzeit-Instrumente.

5) Klassische PR baut sich jeweils rund um eine gegebene oder inszenierte „Story“ auf. Ist das auch in Zukunft noch so?

Wenn es keine „Story“ gibt, ist es keine PR mehr. Die „neue“ PR wird sich genauso um die Geschichte drehen, nur die Geschichte anders erzählen.

6) Auf den Punkt gebracht – was sind Ihre drei Kernmerkmale für die PR der Zukunft?

Sie wird zugleich schnell agieren müssen, mehr Tiefgang zeigen und in einem komplexen Umfeld vernetzen. Oder ganz einfach gesagt: PR wird als eigene Disziplin verschwinden.

Interview aus der Reihe „Experten-Befragung zur Zukunft der PR“

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