Bereit sein auf Augenhöhe zu kommunizieren – Interview mit Sachar Kriwoj

Im Vorfeld unserer Veranstaltungen machen wir ja immer wieder schriftliche Referenten-Interviews. Hier nun eins mit Sachar Kriwoj, PR-Verantwortlicher bei Scoyo, Publizist in seinem privaten Weblog Massenpublikum.de und aktiver Twitterer. Er ist Teil des Panels beim PR 2.0 FORUM, wo die Frage erörtert werden soll – „ob und wie das Social Web für Kampagnen genutzt werden kann?“ Im Interview widerspricht er schon einmal in diesem Punkt ….

Denn – zwischen den Zeilen gelesen – basiert sein Verständnis vom Social Web auch auf der Idee des „Web of People“, mit denen man ins Gespräch kommen muss. Und in diesem Kontext sind Kampagnen im altmodischen Sinne als „manipulierende Massnahmen“ nicht angebracht. So meine Interpretation seiner Worte.

Hier aber nun das Interview …


Sachar Kriwoj 1) Sachar – Du bist PR-Verantwortlicher bei Scoyo und mit von der Partie bei der Diskussion um Herausforderungen von PR-Kampagnen im Social Web auf dem PR 2.0 FORUM. Kannst Du uns kurz in drei Schlagworten Deine Erfahrungen mit PR 2.0 skizzieren?

Sachar Kriwoj: Grundsätzlich versuche ich, den Begriff PR 2.0 zu vermeiden. Ich verstehe Kommunikation und auch PR ganzheitlich, so dass ich da keine Unterscheidung treffen mag. Wenn es aber um moderne digitale Kommunikationskanäle geht, dann lauten meine Schlagworte: direkt, ehrlich und schnell.

2) Was ist Dein Verständnis von PR 2.0?

Sachar Kriwoj: Wie gesagt: In meinen Augen gibt es keine PR 2.0. Es gibt gute und schlechte PR. Gute PR definiert sich nach meinem Verständnis nicht über Kanäle sondern über Inhalte.

3) Wo liegen für Dich die Herausforderungen bei PR-Kampagnen im Social Web? Ist es die Anforderung nach der unmittelbaren Reaktionszeit, den geringen Steuerungsmechanismen oder anderen Dingen?

Sachar Kriwoj: Ich glaube nicht daran, dass Kampagnen im Social Web funktionieren. Social Web, das sind in meinen Augen Menschen, denen man die Möglichkeit gibt, online miteinander zu kommunizieren. Auch über Marken, Produkte und Dienstleistungen. Das kann man als PR-Schaffender forcieren, man sollte sich aber davor hüten, in Kampagnen, wie wir sie bisher kannten, zu denken. Menschen lassen sich nicht bespielen, sie sind keine Kanäle. Wer im Social Web als PR-Schaffender erfolgreich sein möchte, sollte auf Augenhöhe kommunizieren, bereit sein zuzuhören, Kritik einstecken, sie reflektierung und gegebenenfalls zur Optimierung nutzen und nicht der Illusion verfallen, dass es einen Feierabend gibt.

4) Eine Frage in diesem Zusammenhang: Ist Twitter das ultimative News-Distribution-Tool?

Sachar Kriwoj: Das kommt darauf an, welche Ziele man sich setzt. Es ist auf jeden Fall ein sehr interessantes Tool, über das man sehr schnell kommunizieren kann. Es allerdings nur als Distributionskanal zu verstehen, wäre in meinen Augen eine vertane Chance, weil twitter mehr Möglichkeiten zu bieten hat.

5) Können Unternehmen im Umfeld von User-Generated-News überhaupt noch Themen platzieren? Oder ist die Idee vom Agenda-Setting im Umfeld von Web 2.0 sowieso überholt?

Sachar Kriwoj: Nein, die Idee vom Agenda-Setting ist nicht überholt und wird wahrscheinlich auch nie überholt sein. Das User Generated Web stellt uns PR-Schaffende vor neue Herausforderungen. Wenn wir sie annehmen, werden wir in Zukunft erfolgreicher und effektiver arbeiten denn je zuvor.

Vielen Dank für das Interview.