Bedeutung von Social Networks aus Nutzersicht

Wir haben letzte Woche eine Facebook-Page zum „Community & Marketing 2.0 SUMMIT“ veröffentlicht und dies der „Welt“ mitgeteilt. In den ersten 24 Stunden haben diese Aktion auch gleich mal mehr als einhundert Nutzer als „Fan“ unterstützt. Dem hundertsten Nutzer hatte ich die Veröffentlichung eines Interviews und einer kleinen Vorstellung hier in unserem Weblog „versprochen“, dem ich hier nun auch nachkommen möchte.

Der „Glückliche“ war Bernd AspelmeierGrafikdesigner aus Hille. Nachdem wir uns auf Facebook „vernetzt“ hatten und ich den Kontakt zu ihm aufgenommen hatte, teilte er mir sofort mit, dass er sich nicht als Community-Experte fühle und daher nicht wüsste ob er der Welt „Relevantes“ mitzuteilen hätte. Ich sah dies anders, denn in der Diskussion um die Erfolgsfaktoren von Communitys geht es ja nicht nur um die Perspektive der Betreiber, sondern immer wieder auch um die der Nutzer und deren Erfahrungen. Letztere haben wir dann auch als Ausgangspunkt für unser Interview hergenommen und ich finde, dass dabei ganz interessante „Einzelansichten“ zum Thema Wert von Communitys/Social Networks a la Facebook und das Verständnis von Twitter und der Statusphere.

Hier nun aber erstmal das Interview:


1) Was bedeuten Communitys bzw. Social Networks für Sie privat und beruflich?

Bernd Aspelmeier: Communities und Social Networks dienen mir sowohl privat als beruflich zur Vernetzung und Herstellung neuer Kontakte sowie zur Pflege der bestehenden. Da sind bereits interessante Verbindungen zustande gekommen.

2) In welchen Communitys sind Sie Mitglied und warum?

Bernd Aspelmeier: Ich trenne jetzt mal nicht privat und Job, das erklärt sich eigentlich von selbst – ich bin derzeit in Twitter, Facebook und XING. Letzteres ist besonders geschäftlich interessant und ich lerne dort viel auch in den Foren, wie z.B. in der Gruppe für Online-PR (https://www.xing.com/net/onlinepr ), die ich sehr empfehlen kann.

3) Wie nahe stehen Ihnen die Kontakte in Ihren Social Networks? Sind das eher „tote Verbindungen“ oder „mehr oder weniger aktive Interaktionspartner“?

Bernd Aspelmeier: Viele meiner Kontakte sind rein virtuell und werden es wohl auch bleiben, ein wenig ist es halt auch spielerisch in den ganzen Neuen Medien. Etwa 10% der Kontakte kenne ich allerdings auch persönlich und habe z. T. auch berufliche Verbindungen. Es sind auch bereits Aufträge dabei heraus gekommen.

4) Im Hinblick auf Twitter wie auch die Status-Updates in Social Networks sprechen die Kritiker immer von „Ablenkung“ und die Befürworter von „Ambient Awareness“ (sprich einem „beiläufigen Wahrnehmen von Veränderungen im sozialen Umfeld“). Welchen Nutzen bietet Ihnen diese Statusinformation?

Bernd Aspelmeier: Die Statusinformationen sind oft lustig, meist absolut sinnlos in der Aussage, oft aber auch mit stark informativem Charakter. Gut ist es, wenn die Nutzung „halbwegs professionell“ ist, also auch nur Meldungen erfolgen, die man nachvollziehen kann und die sich auf etwas Allgemeinverständliches beziehen. Äußerungen wie: „mache jetzt Kaffee“, „mir ist langweilig“ oder „es regnet“ mögen zwar der Einzelperson was bedeuten – aber mal ehrlich: was geht mich das an? Da ist der springende Punkt in unserem Zeitgeist: diese maßlose Selbstbezogenheit, an die wir uns fast schon gewöhnt haben. Ich finde das überflüssig.

5) Durch welche Feature, Aktionen oder sonstige Gegebenheiten lassen sie sich in Communitys, Foren oder Gruppen in diesen „reinziehen“?

Bernd Aspelmeier: Interessant wird es für mich immer, wenn ein aktueller Bezug hergestellt wird, wenn beispielsweise Fachleute auf Artikel verweisen, die mich interessieren. Das sind Themen wie SEO, Gestaltung, News usw. Spiele, Herzen, Geburtstage und dieser ganze Kram sind zwar lustig, aber nur für den, der viel Zeit hat. Ich teile mir meine Zeit schon ein und begrenze meinen Aufenthalt in den Foren, da ich auch noch andere Dinge außerhalb wichtig finde. Das persönliche Gespräch finde ich insgesamt einfach wichtiger.

6) Last but not least – was machen Sie und welche Bedeutung hat das Internet für Sie?

Bernd Aspelmeier: In meinem Job als Grafik-Designer kann ich mit dem Internet viele Arbeitsabläufe abkürzen und optimieren, weil mir zu jederzeit fast alles zur Verfügung steht, was ich benötige. Darüber hinaus erwische ich mich hin und wieder doch dabei, dass ich wieder mal länger dran sitze als geplant. Und manchmal ist es auch interessant!

Vielen Dank für das Interview.


Nun mag Bernd Aspelmeier sich selbst nicht als Community-Experten einschätzen. Dennoch lassen sich aus seinen Antworten ein paar Aussagen extrahieren, die im Kontext des bevorstehenden Community & Marketing 2.0 SUMMIT durchaus interessant sind und die ich hier in weiteren Beiträgen noch diskutieren möchte:

  • Nicht alle Generationen „leben“ in Social Networks, aber sie nutzen sie.
  • Die Vernetzung und Kontaktpflege ist dabei eine generelle Grundmotivation für die Nutzung von Communitys und Social Networks. Der Aktivitätsgrad ist abhängig, inwieweit aus der Teilnahme ein darüber hinausgehender Nutzen (privat oder beruflich) realisiert werden kann.
  • Die Social Networks erweitern das Beziehungsnetz um einen großen Anteil an rein virtuellen Kontakten, die über mehr als ein Social Network „gesammelt“ werden.
  • Der Nutzen der Statusupdates im Hinblick auf die „Ambient Awareness“ wird erst erfahren, wenn das „virtuelle Leben“ bzw. die Kontakte und der Bezug zur Person einen wichtigen Bestandteil für die private und berufliche Identität hat oder wiederum einen realen Nutzen (vor allem Informationsnutzen) besitzt.

Freue mich auf eine Diskussion zu diesen Punkten.