Die Medien und das Problem mit dem Internet

So – die große Aufregung ist vorbei, nun mag ich mich auch noch einmal mit dem Beitrag von Hubert Burda in der FAZ beschäftigen. Dass der Beitrag mit einem politischen Kalkül geschrieben und plaziert wurde, wurde ja schon an anderer Stelle hier und hier ausführlich bewertet und bedarf nur der Hoffnung, dass sich die Politiker im Sinne der Internet-Entwicklung davon nicht auch noch „beeinflussen“ lassen. Insgesamt macht die Diskussion allerdings auch sehr schön deutlich, wo wir in Bezug auf die Online-Medienlandschaft stehen – nämlich mittendrin im strukturellen Umbruch.

Der Umbruch im Medienmarkt und die Konsequenz

Es ist ja eigentlich kein großes Geheimnis, da es Branchenexperten wie Jeff Jarvis u.a. ja schon lange von allen Dächern pfeiffen: die bisherige Rolle der Medien als Aufbereiter und Vermittler von Informationen – und damit als „Gatekeeper“ der Informationen, die Meinungen und Entscheidungen als Grundlage dienen – ist Vergangenheit.

Während die Print- und TV-Medien in der Prä-Internet-Ära noch die Hoheit über die Aufbereitung und Vermittlung der Informationen über die Vorgänge in der Welt innehatten, hat sich seit der Massenverbreitung des Zuganges zum Internet das Blatt umgekehrt. Grundsätzlich sind nun Nachrichten und Informationen für jedem zugänglich, aber auf Grund der dezentralen Struktur des Internets für den Einzelnen nicht immer auffindbar. Sprich – hier gibt es ein Auffindbarkeitsproblem, dessen sich die Suchmaschinen angenommen haben. Sie haben unseren Zugang zu den dezentralen Informationen wiederum zentralisiert.

Was Google hier für die Medien erbringt, ist ein Dienst an die Medien und in Zustimmung auch für den Beitrag von Ulrike Langer eine Leistung, die eigentlich von den Medien bezahlt werden müsste. Und nichts, wofür diese eine Leistung erhalten sollten. Denn es ist erstmal Google, der die Eyeballs verteilt. Letztendlich haben die Medienhäuser bisher versagt zu erkennen, dass wenn sie in der Top-Informationsvermittlerrolle bleiben wollen, Lösungen für das Suchproblem anbieten müssten. Sie haben sich jahrelang hinter den Suchmaschinen versteckt und den Aufmerksamkeitsstrom via Google „zweitvermarktet“. Das Google eine Monopolstellung besitzt und darüber Verfahren und Preise diktieren kann, ist auch ein Aspekt, den die Medienunternehmen in den Jahren 2001-2005 mitzuverantworten hatten. Denn statt in diesen Jahren Google Paroli zu bieten, hat man eigene Ambitionen in diesem Bereich „eingefroren“ und „eingestampft“ – weil ja das Internet sowieso irgendwann vorbeigeht. „Fireball“ und „Netguide“ waren hierbei ja mal Ansätze deutscher Medienhäuser, die allerdings auch nicht nachhaltig verfolgt wurden (siehe Ausführungen von Don Alphonso zum Thema „Netguide“).

Ein weiteres Problem bei der Information via Internet war für den Einzelnen bisher die Überprüfung des Wahrheitsgehaltes. Hier haben die Online-Titel bisher immer noch eine Funktion als „Qualitätsinstanz“ ausgeübt – auf diese sich auch immer wieder gerne berufen. Mit dem Aufkommen der Web 2.0 Medien – sprich spezialisierten Themenblogs, Community-Diensten mit nutzergetriebenen Inhalten (auch User-Generated Content/UGC-Portale genannt) und ubiquitären Many-to-Many-Messaging-Systemen wie Twitter – wird den Medien allerdings hier auch „von unten“ das Wasser abgegraben. Während Blogs z.T. tiefgreifende Themenaufarbeitungen in der Nische anbieten und über RSS-Technologien sowohl von Google als auch von Lesern besser wahrgenommen werden, ermöglichen User-generated Content-Portale und Twitter die Vermittlung von Nachrichten – in Echtzeit und aus (zumeist) erster Hand.

Natürlich stellt sich beim Thema UGC immer die Frage nach der Qualität und Glaubwürdigkeit von Tatsachenberichten unbekannter Personen. Allerdings wirkt hier immer mehr das Online-Kontaktnetzwerk als Qualitätsfilter. Es kommt darauf an welche „Authorität“ der jeweilige Informant im Netz besitzt – und dann liegt es in der Urteilskraft des Einzelnen, ob er dem Glauben schenkt oder nicht. Als Beispiel ist hier die Diskussion um das mitgehörte und „getwitterte“ Ballack-Transfer-Gespräch von @sachark anzuführen, welches von verschiedenen Medienvertretern als „Ente“ abgestempelt wurde, für Personen, die @sachark virtuell oder real kennen, allerdings durchaus Glaubwürdigkeit besitzt.

In Bezug auf die Diskussion zur Medienlandschaft ist festzuhalten, dass sich hier nun Massenanwendungen im Bereich der Social Networks wie Facebook oder Messaging-Dienste wie Twitter entwickeln, die als Marktführer wieder den Ton angeben. Auch hier ist festzustellen, dass sich die Medienhäuser bisher zuwenig engagieren – und stattdessen durch ihre Interessensvertreter die Funktion der Web 2.0 Dienste immer wieder versuchen kleinzureden bzw. gar zu negieren.

Als Fazit ist festzuhalten, dass die bisherige Rolle als alleiniger Informationsvermittler für die Medien im Internet passé ist. Es bedarf nun neuer Strategien! Die können natürlich zum einen in dem Ruf (wie von Hrn Burda getan) nach staatlicher Regulation liegen oder aber in der “Disruption” – sprich der Einführung neuer Konzepte, die mit den bisherigen Marktstrukturen und Vermarktungsmechanismen brechen.

Letzteres ist natürlich langfristig das Zielführendere, denn das Internet ist ein dezentrales, digitales System, in dem die Verbreitung und Vervielfältigung von Information nicht reglementiert werden kann. Vielmehr sind in diesem Zustand die Vorteile und Möglichkeiten für eine neue Wertegenerierung zu sehen. Allerdings – und das wird auch in den Diskussionen des SMF immer wieder deutlich – sind „Disruptionen“ schwierig umzusetzen (siehe hierzu die Ausführungen über die Probleme auf dem Weg zur Disruption von Andreas Göldi).

UPDATE:

Gerade über Twitter „reingekommen“ – Diskussion zwischen Jeff Jarvis und Eric Schmidt zu der Bedeutung von „Nicht-Regulation“ für die Position von Google heute:

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