Die Jugend ist online – ihre Zeitung auch – Interview mit Anne-Katrin Schneider

Wie gewinnt man als Regionalverlag neue Leser? Wie erweckt man schon bei der Jugend Interesse am Medium „Zeitung“? Ist eine Community für einen Regionalverlag sinnvoll? Anne-Katrin Schneider präsentiert am fünften Social Media FORUM das Medien-Community-Konzept des Zeitungsverlags Waiblingen. Vorab erklärt sie im Kurzinterview die Bedeutung ihrer Community „nicht jugendfrei“ und den aktuellen Nutzen:

Können Sie den Vortrag in drei Stichworten zusammenfassen

* Die Zielgruppe Jugend: Warum und wie sie für die Zeitung erreichbar ist
* Künftige Abonnenten: Von den Kindernachrichten über „nicht jugendfrei“ bis hin zum Familienforum – ein integriertes Konzept des Zeitungsverlags Waiblingen
* Crossmediale und nonmediale Vernetzung:  Möglichkeiten, das Konzept von „nicht jugendfrei“ auf andere Bereiche des Zeitungsgeschäftes zu übertragen

Welche Bedeutung hat die Community für Ihr Verlagsgeschäft?

Nach einer Studie liest jeder zweite Jugendliche aus dem Rems-Murr-Kreis, dessen Eltern Abonnenten sind, täglich unsere Zeitung. Mit der Community wollen wir das Angebot für unsere jungen Leser gezielt ausweiten und sie in verschiedenen Intensitätsgraden bei der Gestaltung einbeziehen. Zudem wollen wir junge Leute erreichen, deren Eltern keine Abonnenten sind. Durch ein jugendspezifisches Angebot mit seiner eigenen Marke wird die Bindung zu unserem Angebot – in der für das Zeitungsgeschäft schwierigen Jugendphase – gezielt gestärkt. Ziel ist es, diese Jugendlichen dann in der Phase der Familiengründung über andere Angebote, etwa das serviceorientierte Familienforum, als Abonnenten zu gewinnen.

Sie vereinen auf Ihrer Plattform Tagebücher, TV, Community, Lexikon und Kooperationen. Können Sie hieraus bereits Erlöse generieren?

Das primäre Ziel von nicht-jugendfrei-online.de ist es, junge Leser für die Zeitung zu interessieren. Das ist eine notwendige Zukunftsinvestition. Erlöse gibt es, diese können die Kosten jedoch bislang noch nicht decken.

Hat sich durch Ihren Online-Auftritt die Leserbindung erhöht und konnten neue Zielgruppen gewonnen werden?

Es konnten neue Zielgruppen gewonnen werden. Mittlerweile haben sich weit über 6000 Nutzer angemeldet, die nicht-jugendfrei-online.de durchschnittlich vier Mal im Monat besuchen. Insbesondere durch unser Angebot der Partyfotografen und Kinoreporter können wir bislang zeitungsferne Jugendliche ansprechen. Findet beispielsweise im Rems-Murr-Kreis ein gut besuchtes Jugendevent statt, sind auch unsere Partyfotografen vor Ort. Um sich die Bilder anzuschauen, melden sich vermehrt neue User in der Community an. Diese nutzen am intensivsten die Bildergalerien, lesen und kommentieren zu einem hohen Prozentteil aber auch die jeweils aktuellen Zeitungsartikel. Hierbei ist natürlich darauf zu achten, dass die Inhalte diese Zielgruppe ansprechen. So nutzen und stärken wir viele Querverbindungen: Viele aktive Partyfotografen und Nutzer der Fotogalerien kommen irgendwann zu unserem monatlichen Jugendstammtisch, nehmen an unseren „nicht-jugendfrei“-Veranstaltungen teil und wollen für unsere Jugendseite oder die Website schreiben.

Wie sehen Sie die Zukunft des Verlagswesens? Ist offline ohne online möglich?

Eine erfolgreiche Zukunft des Verlagswesens ohne Onlinekomponente ist aus meiner Sicht nicht möglich. Unsere heutige Jugendgeneration wächst mit Social Communities und dem Internet als Informationsquelle auf. Junge Berufstätige wollen sich per Mouseklick in ihrer Mittagspause schnell und effizient informieren. Wir müssen auf diese Bedürfnisse reagieren. Besonders ein konsequent lokaler Fokus im Netz verspricht eine hohe Bindung und Nutzungsfrequenz. Für unsere nicht-jugendfrei-online.de Nutzer ist es wichtig, dass sie neben dem virtuellen Kontakt auch die Möglichkeit haben, uns und andere Communitymitglieder auch in Natura kennen zu lernen.

Vielen Dank für das interessante Interview.

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