Ausgefragt: Markus Angermeier aka Kosmar zu "Conversational Design"

Beim nächsten Social Web Breakfast in Berlin am 09.04. haben wir Markus Angermeier aka Kosmar eingeladen, um uns über ein neues Schlagwort aufzuklären: „Conversational Design“. Im Zusammenhang mit einem Vortrag auf der CeBIT hat er auch hier schon drüber gebloggt.

Interview

1) Markus, Du bist einer der angesagtesten Web-Designer und wirst uns beim kommenden Social Web Breakfast in Berlin über die „Conversational Design Patterns“ aka Web 2.0 Design-Grundsätze aufklären. Mit welchen drei Begriffen lässt sich diese Phänomen verschlagworten?
Wenn du das sagst ;) – ich tagge mal auf deutsch: Fokussiert, Sozial interaktiv, Musterbildend
2) In Deiner Tätigkeit als Web-Designer hast Du sowohl bei eher biederen Projekten aus dem Web 1.0 wie verschiedenen Websites der Bundesregierung als auch bei neuen Web 2.0 Services designtechnisch mitgewirkt. Unterscheiden sich die Projektanforderungen vehement?
Die Erfahrung, Zielsetzung und Vorstellungen der Auftraggeber sind bei jedem Projekt verschieden. für mich sollte ein Webangebot immer maximal nutzerzentriert, bedienbar und zugänglich sein. Das ist beides schon immer so und bleibt es auch. Egal welche Versionsnummer.
3) Gemäß dem Begriff „Conversational Design“ scheint das Hauptmerkmal des Web 2.0 Design nicht in der Farbe oder der Minimalistik zu liegen – wie kann man die Merkmale auf einige wenige Punkte zusammenfassen?
Die Minimalistik ergibt sich aus einem fokussierten Einsatz von Interaktionsmustern um das jeweilige „social object“. Form- und Farbsprache ist rein modisch begründet. „Conversational Design“ sammelt die Muster in aktuellem Design zu einem mentalen aber auch visuellen Baukasten von Interaktions- und Kommunikationstools. Quasi der Konsens des Web 2.0.
4) Wird sich dieser Ansatz als allgemeingültiges Design Pattern durchsetzen oder ist es nur eine Modeerscheinung?
Es wird wachsen und sich verändern und irgendwann aufgehen im allgemeinen Set an gelernten Mensch-Computer-Schnittstellen. Vielleicht bekommen wir in gar nicht langer Zeit beim Fahrkartenkauf am Automaten mitgeteilt, dass einer unserer Kontakte in unserem Handy-Adressbuch auch im Zug sitzt und ihm direkt eine Nachricht hinterlassen oder den Platz daneben reservieren.
5) Welche Entwicklungen siehst Du in diesem Bereich noch auf uns zukommen?
Wie schon angedeutet: Mobile und weitere Konvergenz in alltägliche Bereiche in denen jetzt schon Maschinen sind, die ohne viel Aufwand oder jetzt schon mit der „Wolke“ kommunizieren. TV und Kühlschrank sind da nur die ausgelutschten Beispiele.
Dabei werden „soziale“ Daten immer dichter verknöpft und zu Recommendation und Targeting genutzt.
Dabei wird dem Datenschutz in Konstrukten wie Open Social und Dataportability mit Hilfe von Diensten wie OpenID und OAuth hoffentlich frühzeitig Rechnung getragen. Sonst erleben wir zunächst eine Welle von Identitätsdiebstahl und Datenmißbrauch, was der Entwicklung nachhaltig Schaden zufügen würde und ich fürchte zunächst auch wird.
Vielen Dank für die Antworten.