Medien schöpfen Potentiale von Communities noch nicht aus

In der Vorbereitung der Diskussionen zum Social Media FORUM haben wir mit Dr. Michael Sauter, Director bei Sapient, ein Interview zu den Potentialen von Community-Konzepten für Medienunternehmen gemacht. Als zentrale Aussage von Dr. Sauter lässt sich herausziehen, dass er die Potentiale von Communties von der Mehrzahl der Medienunternehmen noch nicht ausgeschöpft sieht.

Dr. Michael Sauter,
Sapient
1) Welche Herausforderungen sehen Sie für Medienunternehmen im Social Web?

Communities etablieren sich zunehmend als starke „Gegenspieler“ zu kommerziellen Angeboten von Medienunternehmen. Die Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich immer mehr vom reinen „Content Provider“ hin zum „Community Manager“ zu entwickeln. Eine Folge dieses Wandlungsprozesses ist der Verlust – zumindest in Teilen – von Kontrolle über publizierte Inhalte. Denn nicht mehr allein der Anbieter entscheidet über Inhalte, sondern ebenso der Nutzer mit seinen Beiträgen. .

2) Ist der Einsatz von Communities eine effektive Strategie in diesem Umfeld? Und warum bzw. warum nicht?

Die Unternehmen folgen mit der Etablierung von Communities lediglich den Aktionen der User, die im Zweifel auch ohne die Unternehmen Communities aufbauen würden.
Allerdings sind die Versuche vieler Unternehmen in diesem Bereich Fuss zu fassen noch recht laienhaft. Die wirklich starken Communities sind bisher aus Start-ups hervorgegangen, die zunächst ohne wirtschaftliche Interessen eine Community um ein konkretes Nutzerbedürfnis herum aufgebaut haben. Die Kunst liegt also darin, Communities aufzubauen, die Geld verdienen weil sie attraktiv für die Nutzer sind. Es kommt auf den richtigen Marketing- / Sales-Mix an! Community per se ist kein Erfolgsgarant – der Nutzer wünscht echten Mehrwert.

3) Welche Entwicklungen sehen Sie beim Einsatz von Communities in Medienunternehmen? Was geht und was geht nicht?

Erfolg versprechen klar positionierte Community-Modelle in Nischenmärkten – zum Beispiel für Heimwerker, Haustier- oder Oldtimer-Liebhaber. Auch einzelne Community-Komponenten in „klassischen“ Web-Portalen (z.B. die Möglichkeit Artikel zu kommentieren und zu bewerten) funktionieren und werden für Medienunternehmen zunehmend wichtiger. Interessant finde ich die Einbindung von „echten“ Nutzern als Community-Manager beziehungsweise die Bindung an die Community durch weitere interessante Rollenmodelle beispielsweise als Moderatoren, Evangelisten o.a.
Was nicht funktionieren wird, sind langweilige Kopien bestehender Modelle. Ebenso wenig erfolgsversprechend ist bereits in einem frühen Aufbaustadium ein zu starker Fokus auf die externe Vermarktung einer Community. Auch Community- Management aus der Redaktion des Medienunternehmens wird vom User selten akzeptiert.

4) Welche Erfahrungen hat Sapient im Bereich von Medien-Communties?

Sapient hat umfassende Erfahrung in der Konzeption, Umsetzung und dem Betrieb von Communities. Darüber hinaus sind wir Experten in der Gestaltung der Front-ends (User Experience), der technologischen Infrastruktur und insbesondere auch der Erfolgsmessung und -optimierung. Ebenso gehört die organisatorische Einbindung von Community Modellen in traditionelle Medienunternehmen – das Change Management – zu unseren Leistungen.