Wann verstehen Politiker, dass mit Preis-Dumping in der Standortpolitik im globalen Wettbewerb nichts zu holen ist?

Die Schließung des Bochumer Nokia-Werkes beschäftigt die Politiker – natürlich auch weil Landtagswahlen vor der Tür stehen und Solidarität mit den Wählern immer ein guter Stimmenfänger ist. Aber wenn ich über Debatten zu einem „Karawanen-Kapitalismus“ lese, dann frage ich mich doch, in welchen Jahrhundert leben unsere Politiker. Erst locken die Damen und Herren mit unseren Steuergeldern die Firmen ins Land, geben ihnen damit über die Subventionen einen Preisvorteil, der aber im globalen Wettbewerb einfach nur von kurzfristiger Dauer ist.
Der Punkt ist doch, wenn wir Firmen wie Nokia u.a. nicht einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil bieten können, dann brauchen wir uns doch nicht wundern, wenn sie weiterziehen. Jeder von uns Verbrauchern (Politiker eingeschlossen) macht doch genauso rationale Entscheidungen über sein Haushaltseinkommen, warum sollte ein auf Profit ausgerichtetes Unternehmen sich da anders verhalten?
Die führenden Unternehmen im globalen Wettbewerb kennzeichnen sich durch ihre vernetzten und dezentralen Organisationen, die flexibel, agil und kurzfristig Situations-spezifisch handeln. Jede Arm der Organisation ist flexibel veränderbar und austauschbar. Ein Werk von Nokia in Bochum ist nichts anders – wenn die Existenz des Werkes nur auf dem finanziellen Vorteil aufbaut, dann ist das kein nachhaltiger Grund. Nachhaltig wären Innovationspotentiale aufgrund enger Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen etc., das sind Vorteile, die auch einen globalen Wettbewerber zum Bleiben bewegen könnte.
Ich denke, die Damen und Herren Politiker sollten sich einmal mehr mit den Auswirkungen der Internet-Wirtschaft beschäftigen. Als Bücher für den Einstieg hierzu empfehle ich Don Tapscott’s Buch „Wikinomics“ oder Rod Beckström’s „The Starfish and the Spider“ (übrigens der Ausgangspunkt für den Titel dieses Blogs!).