Verschlafen die Verlagsh?user den neuen Web-Wandel?

Am Freitag fand das erste Social Web Breakfast nach der Sommerpause in Hamburg statt. Zu Gast war Alexander Svensson, der ?ber die kollaborative Studie „Features von Zeitungs-Websites“ berichtete, die er im vergangenen Sommer in Zusammenarbeit mit verschiedenen Experten (u.a. Falk L?ke, Steffen B?ffel und Thomas Gigold) auf seinem Wortfeld-WIKI durchgef?hrt hat. In seinem Impulsvortrag stellte Alexander Svensson kurz die wichtigsten Erkenntnisse heraus: Verlage setzen auf Foren, RSS-Feeds und Einbindung von Online-Videos. Dabei stellen sich die Foren oftmals als Projekt-Leichen dar, die RSS-Feeds sind vielfach sehr undifferenzierte Nachrichten-Feeds und die Videos kommen zu oft aus „eingekauften“ Konserven. Die M?glichkeit ?ber Redaktions-Blogs in den direkten Dialog mit den Lesern zu treten wird relativ selten genutzt. Verschiedentlich scheinen die Foren der Versuch zu sein, eine Feedback-Schleife zur Redaktion aufzusetzen – aber aufgrund der fehlenden Akzeptanz bleibt es nur ein Versuch.
In der Diskussion wurde dann ?ber die m?glichen Gr?nden gesprochen: anwesende Vertreter aus Medienunternehmen stellten auf Seiten des Journalisten das umbrechende Selbstverst?ndnis als wichtigen Hinderungsgrund f?r Ver?nderungen heraus – der Journalist muss sich derzeit im neuen Marktumfeld mit Bloggern und Leser-Reportern erst neu finden und definieren, bevor er innovative Aktionen und Ideen in seinem Redaktionsteam unterst?tzt. Als gro?es „Gap“ zwischen Management und Basis m?ssen dabei die Investitionen in gro?en Medien-Holdings wie z.B. Holtzbrinck und Burda angesehen werden, bei denen ganze Online-Communities f?r irrwitzige Summe aufgekauft werden, w?hrend an der Basis das Redaktionsteam noch lange nicht dem Gedankengut von „Conversational Media“ folgen kann. Vielmehr schienen sich die Teilnehmer der Diskussion einig, dass der „Web 2.0“-Hype bei den etablierten Medien derzeit statt zu einem Umbruch zu einer weiteren „Boulevardisierung“ f?hre – denn die Refinanzierung der Medien liegt auch im Web 2.0 weiter in den Werbeeinnahmen und die brauchen Traffic. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Meldung von Google, dass man nun die News der Nachrichtenagenturen AP, AFP, CP und PA lizensiert habe, diese direkt in Google News „einf?ttere“ und damit nun erkenne k?nnte, wenn Redaktionen News unbearbeitet ?bernommen und verbreiten w?rden – was dann von Google als Doublette gewertet wird.
Insgesamt stellte sich das Social Web Breakfast mal wieder als eine angeregte Fachdiskussion dar, die viel zu schnell zu Ende war – nachzulesen auch im Twitter-Feed: http://twitter.com/SocialBreakfast. Die Diskussion best?tigte den bestehenden Diskussionsbedarf zum Thema Medien 2.0 und aus meiner Sicht auch den M?glichkeiten, mit „Web 2.0“-Ideen basierend auf einem aktiven Leser-Community-Modell einen neuen Weg zu gehen. Dies ist ja das Thema beim Social Media FORUM, wo anhand verschiedener Erfahrungsberichte von Welt, Stern, Chip Xonio, MyHeimat.de u.a. ein solcher Ansatz diskutiert werden soll.

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Oliver Gassner

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