Warum wir doch über Digital Storytelling sprechen müssen!

Es gibt ja derzeit immer wieder Diskussionen darüber, was denn so Neues hinter den aktuellen Schlagworten wie “Content Marketing“, “Content Strategie” oder “Digital Storytelling” stecke. Schließlich haben doch gute Kommunikatoren schon immer eine gute Story erzählt – warum also wird die Wichtigkeit und Bedeutsamkeit einer inhaltsreichen und für die Ziel- und Interessensgruppen relevanten Inhaltsstrategie in Zeiten von “Social Media” so betont und hochgelobt?

Einen interessanten Erklärungsansatz hat Christian Riedel in seinem Blog schon vor einem Jahr gestartet und fünf Gründe angeführt, “warum Marketing, Werbung und Digital einen strukturierten Blick auf Geschichten braucht“. Caroline Kliemt hat in ihrem Blog seit Anfang des Jahres ein paar spannende Interviews zum Thema gemacht und zudem über die Organisation einer Blog-Parade interessante Beiträge von Dritten gesammelt.

Auch bei den Veranstaltungen der Social Web Breakfast-Reihe (aktuell am 17.04. in München zum Visual Storytelling) wie auch dem #d2m13 widmen wir uns dem Thema und versuchen Erfahrungen mit diesem Thema zu diskutieren.

Geschichten funktionieren, wenn wir uns darin wiederfinden können

Die Wissenschaft begründet die Bedeutung von Geschichten mit der Existenz von Spiegelneuronen in unserem Gehirn, die uns “beim Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster aufweisen lässt, wie es entstünde, wenn dieser Vorgang nicht bloß (passiv) betrachtet, sondern selbst (aktiv) durchgeführt [werden] würde” (Quelle: Wikipedia). Als Normalveranlagte (also Nicht-Autisten) entwickeln wir ein “Einfühlvermögen” (auch neu-deutsch Empathie), was auch durch eine gute Geschichte adressiert werden kann, die uns einen Vorgang rund um ein Erlebnis eines Handlungscharakter versinnbildlicht.

Katzen-Content in einer Fiat Anzeige (gefunden auf GuteWerbung.net)

Geschichten als Weg aus dem Kontrollverlust über das Markenbild

Nun ist das mit der guten Story, die uns im Kopf besser hängenbleibt, nichts wirklich Neues. Denn gute Kommunikatoren und auch gute Werber haben das schon immer gemacht, oder? Ob gut oder schlecht – darüber muss nicht mehr spekuliert werden. Denn in Zeiten von Social Media gilt, dass nur mit “Geschichten” das Markenbild im Netz beeinflusst werden kann.

Denn Social Media hat nun mal die Informationsasymmetrie auf den Kopf gestellt. Social Media bietet die Plattformen für massenhafte Kommunikatoren, die von den Unternehmen nicht mehr direkt kontrolliert werden können. Die Gespräche und Diskussionen auf Facebook, Twitter und Co über das Unternehmen, seine Produkte und seinen Service können nur noch begleitet werden. Auf Augenhöhe mit dem Kunden kann das Unternehmen seine Sichtweise in diese Diskussionen eingeben – die Agenda bestimmen, kann es aber nicht mehr.

Aber mit Geschichten, die mitreißen und etwas greifbar machen, lässt sich durchaus etwas beeinflussen. Denn “gute” Geschichten sind Teil dessen, was “geteilt” und “weitererzählt” wird. So wie “Katzen-Content” immer geht – weil pussierliche, kleine Katzen in uns ein Mitgefühl wecken, funktionieren auch “gute” Geschichten und entfalten “virale Effekte”.

Hey – hast Du schon das Video von den Gartenzwergen gesehen?

Digital erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten der Geschichte

Neben dem, dass Geschichten in Zeiten von Social Media wohl zunehmend der einzige Weg sein wird, sein Markenbild mit zu bestimmen, bietet Digital nützliche neue Möglichkeiten für die Umsetzung der Geschichte. Zum einen sind die Strukturen und Konzepte von Blogs und Social Network daran ausgerichtet, dass man mit ihnen Geschichten erzählt.

Ein Blog ist als Tagebuch zu verstehen, dass Einblicke in Hintergründe, Interpretationen und Meinungen gibt. Es ist chronologisch geordnet und nicht thematisch strukturiert.

Die “Timeline” in Facebook, Twitter und Tumblr ist ein Abbild von diesem Konzept – mit direkt angeschlossenem Netzwerk und niedrigeren Einstiegshürden. Da wir hier für das Tagebuch kein Design finden müssen, sondern einfach drauf los “erzählen” können.

Zudem erlaubt uns Digital Text mit Bilder und Bewegtbild zu koppeln – oder gar den Text komplett wegzulassen. Die Geschichte kann vernetzt werden mit anderen Personen, Gegenständen oder Geschichten – und sie kann in Echtzeit erlebbar gemacht werden. Sprich Geschichten müssen nicht mehr nur in der Vergangenheit passiert sein und jetzt erzählt werden, sondern sie können über die Interaktion mit der Zielgruppe erst entstehen.

In die Königsdisziplin schließt man dann auf, wenn die Geschichte in Echtzeit multimedial über die verschiedenen Interaktionskanäle parallel – sprich transmedial – in Szene gesetzt wird. Hier wird auf klar, warum wir bei guter digitaler Kommunikation integriert denken müssen. Denn gute digitale Kommunikation ist mehr als nur einen “guten” Text schreiben. Digitale Kommunikation ist auch virtuelle Events zu erschaffen, Anwendungen wie die Walter Metal Tools bereitzustellen oder Charakter/Protagonisten von Geschichten lebendig werden zu lassen.

Geschichten sind die Grundpfeiler für die Social Media Kommunikation

Bleiben wir bei der Idee, dass die Kommunikationsaufgabe in der Imagebildung und Reputationsgestaltung liegt, so kann das Geschichtenerzählen ein proaktive Ansatz sein, um das Agenda-Setting mitzugestalten. Ist es die Aufgabe des Marketing über Social Media Reichweite und Aufmerksamkeit für das Produkt und die Unternehmensleistungen zu generieren, können die Geschichten einen viralen Hebel für Buzz in den sozialen Netzwerken darstellen.

Storytelling in 2013 hat also eine neue Bedeutung, die es zu diskutieren gilt! Und jeder Kommunikator, der meint, das sei doch ein “alter Wein in neuen Schläuchen”, sollte sich IMHO doch kurz hinterfragen! Denn Geschichten müssen als Grundpfeiler für die Social Media Kommunikation angesehen werden.

Was man dabei beachten sollte und welche “Good Practices” man kopieren kann, wollen wir anhand der Praxis-Geschichten beim Digital Marketing & Media SUMMIT diskutieren. Denn Geschichten sind nicht nur ein gutes Werkzeug für die Kommunikation, sondern auch gut für die Wissensvermittlung.

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  1. Tim A. Bohlen says:

    Es ist nicht nur so, dass Geschichten uns auf der Gefühlsebene packen. Sie sind auch Problemlösungssimulatoren, in Star Trek Sprache: Holo-Decks für jedermann. Dies ist auch ihr evolutionärer Vorteil und eine großartige Chance für Unternehmen: Geschichten sind Erfahrungen, für die der Kunde keine Konsequenzen tragen muss. Sie lassen sich am besten von Mensch zu Mensch erzählen. Da kommen die sozialen Netzwerke ins Spiel. Wenngleich das globale Dorf ein Klischee ist, so ist unser Kommunikationsverhalten im Netz wieder deutlich mehr unserer Art entsprechend als “damals”, als Konzerne noch für Geld Werbeplätze und Aufmerksamkeit kaufen konnten und die einzigen waren, die Kommunikationsplattformen hatten.



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