Petra Sammer: Mehr Mut zur Verknüpfung von Konflikt und Heldentum mit der eigenen Produktgeschichte

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Zurück zu meinem persönlichen Lieblingsthema: dem Digital Storytelling. Welche Zielsetzung hinter dem Geschichtenerzählen in der Unternehmenskommunikation verfolgt wird, hatten uns Mark Pohlmann und Wolfgang Lüneburger-Reichenbach bereits berichtet und Gründe für die notwendige Umorientierung genannt.
Auch wie das Digital Storytelling praktisch in der Social Media Kommunikation eingebunden werden kann, haben wir über die Tipps von dem Blogger Laurence O’Bryan erfahren. Bleibt zu hinterfragen, warum die PR und Unternehmenskommunikation dies bis heute nicht umgesetzt hat.

Petra Sammer ist Chief Creative Officer bei Ketchum Pleon und Kommunikationsexpertin. Erst vor ein paar Wochen stellte sie in einem Blogbeitrag die Potentiale des Digital Storytellings heraus und lobte Pixars Fähigkeiten des Geschichtenerzählens im Zuge meines Blogbeitrags. In ihrer strategischen Funktion inspiriert und stimuliert auch sie die Teams zu neuen Ideen, leitet Workshops, Brainstormings und führt Trendscoutings durch. Im Rahmen des Digital Marketing & Media SUMMIT hat sie Björn in einem Interview die Kernpunkte des Digital Storytellings mal aus einer anderen Perspektive erläutert.

Folgende Stichpunkte habe ich aus dem Gespräch herausziehen können:

Storytelling als neuer Kommunikationstrend
  • Klassische PR versteht Geschichte als textuelle Nachricht mit Neuigkeitswert (neues Produkt-Release, neue Studie für Produktnutzen etc)
  • Klassische PR über Neuigkeitsfaktor funktioniert nicht mehr; führt nur in Ausnahmen zur Empfehlung/Weitererzählung
  • Kommunikation via Storytelling: Unternehmen/Marke/Produkt steht im Hintergrund; ist nur Enabler für Heldentat des Protagonisten
  • Nicht die Lösung, sondern Konflikt/Transformation fesselt die Zuhörer (Bsp. wie leidet doch der Biorythmus der Norweger unter den langen, immer gleich dunklen Wintertagen? => Auflösung: das Philips Wake-up Light ermöglicht ein besseres Wohlempfinden)
  • Positiver Verkaufseffekt wegen der Geschichte und der Aufmerksamkeitserregung der Journalisten/PR
  • Bewusstsein der Unternehmen, dass pure Produktinformation nicht ausreicht, ist weitläufig vorhanden
  • Social Media eröffnet neue Möglichkeiten
Merkmale des Digital Storytellings
  • Kundeninput/-partizipation (Liquid Storytelling)
  • Visuelle Erweiterung der Kommunikation
  • Input-Bereicherung/-Wachstum der Geschichte über verschiedene Kanäle
Liegt die Zukunft der Unternehmenskommunikation im Aufbau von Medien-Marken?
  • Jede Marke benötigt eine eigene Strategie; in der Regel ist das Medien-Management nicht Kernkompetenz eines Unternehmens (Ausnahme: Red Bull Media)
  • Unternehmen müssen vielmehr verstehen, wie sie über die Einbindung der Stakeholder die Geschichten im öffentlichen Medienraum inszenieren
  • Vorgehen erfordert Verantwortung und andere Strukturen
Wann wird Digital Storytelling zu Alltag?
  • Wenn jedes Unternehmen auf Storytelling setzt, besteht sicherlich die Gefahr der Abnutzung
  • Mehr Unternehmen könnten aber mutiger sein, Konflikt und Held mit der eigenen Produktgeschichte zu verknüpfen

Das Interview ist eine schöne runde Sache. Ist alles nachvollziehbar, ich sehe allerdings nicht wirklich die von Petra Sammer geäußerte Abnutzungsgefahr, denn das Storytelling hat ja Drehbuch- und Roman-Charakter. Und sind uns die vielen Filme und Bücher, die wir sehen und lesen bisher jemals überdrüssig geworden?

Wie seht Ihr die Entwicklung? Wo stehen Eure Projekte?

Article written by

Ann-Kathrin Tegtmeier

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