Stefan Evertz: Die durch Social Media Monitoring etablierten Erfolge werden stärker zu den größeren Akteuren wandern

Stefan Evertz Social Media Monitoring Wenn sich einer unserer Experten und vertrauten Gesichter im Rahmen unseres Monitoring FORUMs jedes Jahr wieder zwischen unsere Zeilen schleicht, dann Stefan Evertz (Twitter | Xing), langjähriger Teilnehmer und Referent, selbst Moderator einiger unserer Veranstaltungen, insbesondere im Marketing-Umfeld. Erst vor einigen Tagen wurde sein Buch “Analysiere das Web!: Wie Sie Marketing und Kommunikation mit Social Media Monitoring verbessern” veröffentlicht, mit dem er einmal mehr beweist, dass er einer der Vorreiter im Feld Social Media Monitoring ist. Als unabhängiger Berater hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Unternehmen das Verständnis näher zu bringen, warum, wie und welche Monitoring-Tools eingesetzt werden sollten, um neben Reputation auch aktuelle sowie zukünftige Trends zu bewerten und zu nutzen. Im Interview erzählt er, welchen Entwicklungsstand das Thema aktuell erreicht, welche unterschiedlichen Anwendungsfelder seinerzeit besonders relevant sind und warum er glaubt, dass sich in naher Zukunft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft herausbilden wird.

Stefan, Du bist Leiter eines unserer Seminare beim diesjährigen Monitoring FORUM. Was sind die drei Stichworte, mit denen Dein Seminar verschlagwortet werden kann?

  • Anwendungsszenarien
  • Toolauswahl
  • Praxisnahe Ergebnisse

Im Themenfokus des diesjährigen Monitoring FORUMs stehen Erfahrungen bei der Nutzung von Social Media Monitoring und Analyse mit strategischer Zielsetzung. Wo stehen wir aktuell in diesem Bereich?

Insgesamt ist der Markt weltweit und auch in der DACH-Region in den letzten Jahren weiter in Bewegung. Einerseits gibt es immer wieder Übernahmen und Kooperationen. Und während lange Zeit die Tools oft stark spezialisiert und in Nischen unterwegs waren (z.B. nur Social Media Monitoring oder nur Social Media Management), gibt es immer mehr „Kombi“-Tools, die versuchen, doch so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau zu schaffen. Aktuelle Beispiele sind dabei Social Media Management-Tools wie SocialHub und ganz frisch swat.io, die neben Publishing und Engagement nun auch Ergebnisse aus dem Social Media Monitoring in die Inbox integrieren.

Dein Seminar ist eine grundlegende Einführung in Social Media Monitoring und Analyse. Wie kommt es, dass das Thema für viele Social Media Anwender noch immer keine hohe Priorität hat?

Es zeigt sich immer deutlicher, dass abseits des sehr oft abgedeckten Anwendungsfalls „Kundenservice / Customer Care“ der Nutzen von Analytics und auch von Monitoring im operativen Bereich oft nicht sichtbar und zum Teil auch nicht anwendbar ist. So wird gerne das Optimierungspotenzial durch Analytics nicht wahrgenommen. Zudem sind oft nicht ausreichend Ressourcen für die Analyse und Auswertung vorhanden. Letztendlich ist der Stellenwert, den Kundenservice gut abdecken zu können, einfach höher, als auch noch Analytics und Monitoring einzubinden.

Wo siehst Du wesentlichen Unterschiede in den Anforderungsprofilen der potentiellen Monitoring-Anwender?

Die Anforderungsprofile sind letztendlich so vielfältig wie die anwendenden Organisationen und Unternehmen. Gerade bei Behörden und der öffentlichen Hand spielen Datenschutz und Server-Standort eine große Rolle, beim Thema Influencer-Marketing und -Relations ist eine gute Abdeckung von Plattformen wie Instagram sehr wichtig. Und gerade beim Live-Monitoring z.B. bei Events ist auch heute noch oft Twitter eine, wenn nicht sogar DIE zentrale Plattform. Bewertungsplattformen und Diskussionsforen dagegen sind gerade aus Marken- und Handelssicht wichtiger denn je, wenn es um Produktwahrnehmung und oft auch Krisenerkennung und -management geht. Insgesamt ist und bleibt aber eine klare Definition von Zielen und Strategie der zentrale Einstieg, um die Anforderungen an Tools und auch deren Gewichtung untereinander sinnvoll bündeln zu können. Denn eine reine Ansammlung von Features führt schnell zu einer sehr großen, aber oft eben nicht sinnvollen Matrix von Elementen.

Welche Veränderungen siehst Du für die Zukunft in diesem Bereich?

Neben den sehr unterschiedlichen Plattformen und Inhaltsarten sind aber auch die daran anknüpfenden Akteure und Prozesse innerhalb der Unternehmen sehr heterogen. Absehbar dürfte hier noch stärker eine zwei-Klassen-Gesellschaft entstehen als bisher. Während einerseits große Firmen und Konzerne ganze Abteilungen mit einem gut gefüllten Tool-Repertoire einrichten und auch auslasten können, werden andererseits viele KMU und Organisationen immer mehr sparen und optimieren müssen oder erst gar nicht breiter in dem Bereich aktiv werden, zumindest nicht über das bereits übliche Maß hinaus. Diese Schere wird auch deshalb immer weiter auseinanderklaffen, weil auch die fast unvermeidlich gewordenen Mediabudgets z.B. für Facebook sehr ungleich verteilt sind entsprechend werden also auch die Erfolge im Bereich Social Media immer stärker zu den größeren Akteuren wandern.

Welche Erwartungen bringst Du mit zum Monitoring FORUM?

Interessante Vorträge, gute Fachgespräche und intensiver Austausch. Das Monitoring Forum gehört definitiv zu den wichtigsten Branchentreffen im Bereich Monitoring und Analyse und ich freue mich wie jedes Jahr auf die Zeit in München.

Super Stefan, danke – und wir freuen uns auf dich!