Frank Michna: Digitaler Wandel wird noch viel zu häufig mit einer Erkältung verwechselt

Frank Michna Monitoring_ Digitaler WandelAuch dieses Jahr haben wir für das Monitoring Forum wieder tolle Ambassadoren dabei, die rund um das Monitoring Forum mit eigenem Erfahrungsinput wertvolle Beiträge rund um die Thematik liefern. Frank Michna (Twitter | Xing)  ist Senior Consultant Raumtänzer GmbH VR & AR Lösungen sowie Kommunikationsberater für digitale Kommunikation & Social Media der team M. GmbH und einer unserer Ambassadoren. Er ist beruflich selbst sehr nah am Monitoring Geschehen in Unternehmen und weiß wovon er redet, wenn er wie im Interview sagt, dass noch an vielen Stellen Nachholbedarf in der Aufklärung von Unternehmen besteht, um die Monitoring Potenziale auszuschöpfen. Hier vorab ein Interview.

1. Frank – Du wirst das Monitoring FORUM dieses Jahr als Ambassador unterstützen. Was interessiert Dich so besonders an dem Thema?

Seit Jahrzehnten bemühen wir uns um die effektive Erfolgsmessung in der Kommunikation, jenseits von IVW-gezählten Auflagen, Testmärkten und theoretischen Lösungsansätzen. Analog war eine Erfolgsmessung in der Kommunikation nicht nur teuer und ungenau, sondern für viele Kunden schlichtweg nicht umsetz- und einsetzbar. Die fortschreitende Digitalisierung bietet uns jetzt nicht nur eine breite, aussagefähige Datenbasis, die uns in Echtzeit Antworten gibt und direkte Vergleiche zulässt. Sie liefert diese Daten auch noch „gratis“ mit. Das Monitoring-Forum fasst für mich die wesentlichen Entwicklungen zusammen, bildet einen spannenden Branchenmix und führt Köpfe aus den unterschiedlichsten Bereichen zum offenen Austausch zusammen. Bei kaum einer anderen Veranstaltung erlebe ich über zwei Tage hinweg einen so offenen Austausch. Die Kombination von lehren und lernen macht das Forum aus, sorgt für ungehinderten Wissenstransfer und natürlich auch für neue Kontakte.

2. Aus Deinem Hintergrund als Marketing- und Social Media Berater – wie hat sich das Thema “Monitoring & Analyse” über die letzten Jahre verändert? Welche Entwicklung siehst Du?

Monitoring und Analyse werden auch in den Unternehmen allmählich als strategische Werkzeuge erkannt und auch zunehmend aktiv genutzt. Zu Beginn der Entwicklung wurden Datenanalysen noch skeptisch betrachtet und zum Teil belächelt. Man war und ist zum Teil auch heute noch nicht bereit hier zu investieren, aber das wandelt sich gerade. Mittlerweile erkennt man zunehmend den Wert der Analyse als korrektives Element und erkennt ein gut aufgesetztes Monitoring als Mittel zur Krisenprävention. Je mehr man sich vom „einfachen Dabeisein“ in Social Media verabschiedet und Social Media als strategisch effiziente Kommunikationsmaßnahme begreift, wächst auch das Verständnis für eine konsequente Auswertung der Datenströme. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren verstärkt fortsetzen. Unternehmen werden im Bezug auf Monitoring und Analyse sensibler und erkennen die Chancen nicht nur zur Gefahrenabwehr, sondern zur Identifizierung neuer Nischen und Zielgruppen. Während wir in Konzernen und Großunternehmen große und umfassende Komplettlösungen als „State of The Art“ erleben, tut man sich im Bereich des Mittelstandes und im gesamten KMU-Bereich noch schwer. Hier fehlen immer noch kleine, effiziente und bezahlbare Lösungen die die Unternehmen abholen und gemeinsam mit ihnen wachsen. Das ist noch viel Luft nach oben.

3. Wie bewertest Du die Anwendung und die Umsetzung der Monitoring-Tätigkeit in den Unternehmen?

Wir sind auf einem guten Weg – aber noch lange nicht am Ziel. Hier dürfen wir nicht vergessen, dass in vielen Unternehmen Social Media noch lange nicht zum gelebten Alltag gehören und somit auch Maßnahmen zum Monitoring erst einmal auf Entscheiderebene verstanden werden müssen. Bei gut der Hälfte unserer Erstberatungen hat man immer noch den Eindruck, dass digitaler Wandel mit einer Erkältung verwechselt wird und man zunächst davon ausgeht, das geht schon wieder vorbei. Stellt man sich jedoch der Situation und erkennt Wandel und Veränderung als Chance entwickeln sich auch die Maßnahmen entsprechend. Hier geht die strategische Nutzung von Social Media und Online Marketingaktivitäten dann Hand in Hand mit der Integration von Monitoring und Analysetools. Das mag aber auch an kompetenter Beratung und Schulung liegen. Zudem qualifizieren sich ja auch immer mehr Mitarbeiter von Unternehmen in den Bereichen Social Media und Community Management.

4. Der Themenfokus des diesjährigen Monitoring FORUMs liegt auf der Diskussion der strategischen Erkenntnisgewinnung für das Marketing durch das Monitoring & die Analyse. Wie bewertest Du den Schwerpunkt?

Gerade dieser Fokus dürfte für viele Unternehmen, unabhängig von Branche, Ausrichtung und Größe von höchstem Interesse sein. Schließlich bietet sich hier die Chance durch Zuhilfenahme von ohnehin vorhandenem Datenmaterial und eine entsprechende Auswertung und Interpretation, Nischen frühzeitig zu erkennen und neue Zielgruppen deutlich klarer zu identifizieren, als je zuvor. Es gilt Interessen, Wünsche und Bedürfnisse noch früher zu identifizieren und zuzuordnen. Wem es dann noch gelingt mit diesen Erkenntnissen intelligent umzugehen und mit diesem Wissen clever zu agieren, der wird in Zukunft gewinnen. Vielleicht werden wir es dann auch noch erleben, dass die aus meiner Sicht widerlich penetrante Nötigung durch hirnloses Retargeting ein schnelles Ende findet. Kurzum, in der strategischen Auswertung von Monitoring und Analyse liegen die wesentlichen Ansätze für ein erfolgreiches Marketing von Morgen – dem kann sich keine Marketeer und Entscheider verschließen.

5. Welche Herausforderungen siehst Du für die Gewinnung von strategischen Erkenntnissen aus Social Media Daten?

Wir müssen in der Interpretation der Daten weg von der Oberflächlichkeit. Wenn es uns nicht gelingt mit der Menge an Daten sorgsam und verantwortlich umzugehen, laufen wir Gefahr, dass eine an sich geniale Ressource durch falsche Nutzung wertlos wird. Wir alle, jeder der mit Kommunikation umgeht und verantwortlich ist, müssen lernen, weniger zu nerven und dafür mehr zu informieren. Letztendlich liegt hier auch der Schlüssel zum „guten Content“. Gelingt es uns Daten aus Monitoring und Analyse intelligent auszuwerten und zu nutzen, entstehen daraus Möglichkeiten Kunden und User in einem ganz neuen Umfeld zu binden, zu lenken und zu begeistern. Das ist unsere Aufgabe.

6. Welche Erwartungen hast Du an das Monitoring FORUM?

Ich freue mich auf eine spannende Veranstaltung mit interessanten Themen – hier legt das geplante Programm die Messlatte entsprechend hoch und verspricht eine breite Themenabdeckung. Zudem wünsche mir viele interessante Gespräche und den offenen Austausch auf Augenhöhe mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Außerdem freue ich mich schon jetzt auf das ein oder andere bekannte Gesicht.

Vielen Dank Frank, wir freuen uns, dich als Experten mit dabei zu haben!