Sven Wedig (Vollpension Medien): Solange Menschen anderen folgen, wird das Influencer Marketing bestehen bleiben und sich verfeinern

Sven Wedig | Influencer MarketingWeiter geht’s mit einem nächsten Experten-Interview im Rahmen des Influencer Marketing Forums. Sven Wedig (LinkedIn | Twitter) nimmt auch an unserem ersten Forum teil und wird mit seinem Erfahrungsschatz sicher einige wertvolle Impulse geben können.

Er ist einer von zwei Geschäftsführern der Vollpension Medien GmbH in Berlin, hat schon früh die zunehmende Bedeutung des Influencer Themas erkannt und daran auch die Ausrichtung seiner Agentur angepasst. Seine Stärke: Influencer und Marken zusammen bringen, die wirklich zusammen passen. Inzwischen hat sich Sven auch als Speaker auf diversen Fachveranstaltungen überall in Deutschland einen Namen gemacht. Kürzlich war er einer von sieben dmexco Ambassadors. Im Interview erzählt er, welche Relevanz Influencer Marketing mittlerweile für das strategische Marketing hat, welche Bandbreite an Zielsetzungen dahinter steht und wie es in seinen Augen in Zukunft in dem Feld weitergehen muss.

1. Sven, wie bewertest Du den Hype bzw. die Diskussion um die Arbeit mit Influencern bzw. digitalen Persönlichkeiten mit Reichweite im Rahmen der Kommunikation und des digitalen Marketing?

Ich denke, dass es inzwischen nicht mehr nur ein Hype ist, sondern ein integraler  Bestandteil der Marketing Klaviatur. Influencer Marketing hat bereits und wird auch in Zukunft die Mechanik des klassischen „alten“ Marketing Prinzips verändern. Bildlich gesprochen: Wir brauchen keine Gießkannen mehr, sondern wir injizieren direkt in die Zielgruppe.

2. Was ist für Dich ein ernst zu nehmender Influencer? Bzw. welche Begrifflichkeit und welches Verständnis benutzt Du für das Phänomen um die digitalen Persönlichkeiten?

Authentizität spielt eine sehr große Rolle. Wenn es die Influencer dann noch  schaffen, offline wirklich soziale Kompetenz zu zeigen und zu entwickeln, werden sie zu eigenen Marken. Ansonsten bin ich ein großer Fan davon, sie als Menschen zu bezeichnen, denn genau hier liegt der Charme, wir sprechen von Marketing mit Menschen.

3. Welche Möglichkeiten und Zielsetzungen siehst Du für Unternehmen bei der Arbeit mit diesen Persönlichkeiten? Und was sind für Dich die Hebel und Erfolgsfaktoren für die Realisierung dieser Ansätze?

Das ist eine sehr vielschichtige Frage. Entscheidend ist, die Zielsetzungen klar im Vorfeld zu definieren und zwar in der ganzen Bandbreite. Egal, ob die Erstellung von Content das Ziel ist oder eine harte Conversion. Wichtig ist außerdem, dass die Kunden den besonderen Charme des Einsatzes von Influencern verstehen und der unter anderem in ihrer Bandbreite. Influencer Marketing ist viel mehr als ein Posting, es geht um die Integration aller gegebenen Maßnahmen.

4. Kannst Du uns ein gutes Beispiel aus der Praxis (Status Oktober 2017) für den von Dir genannten Ansatz nennen?

Die DB Sportcamps auf jeden Fall, bei denen prominente Athleten Kinder für ihren Sport begeistern. Ganz aktuell aber auch die „EuerRoadtrip“ – Kampagne, die wir für Suzuki erarbeitet haben. Hier haben Prominente und Influencer Patenschaften für ein paar ziemlich coole Challenges übernommen.

5. Was sind die richtigen Messgrößen und KPIs für die von Dir genannten Zielgrößen?

Das können viele sein: Quantität und Qualität von Content, Lead Generierungen, Traffic, Engagement Rate, Qualität der Kommentare , erreichte Personen usw..

6. Wo sind für Dich die Grenzen des “Influencer Marketing”? Wann überlebt sich das Phänomen – oder überleben sich nur einzelne Persönlichkeiten und Plattformen?

Das Phänomen wird sich nicht überleben, denn es ist eine neue und sich etablierende Mechanik mit Einfluss auf das klassische Marketing. Lediglich Persönlichkeiten und Plattformen werden den Markt bestimmen und sich gegebenenfalls verändern. Aber solange Menschen anderen Menschen folgen, können wir die Mechanik immer weiter verfeinern.

7. In den Diskussionen um das richtige Influencer Marketing wird viel über Micro- und Macro-Influencer gestritten. Für welchen Kontext macht für Dich das Eine oder Andere Sinn?

Das kann man nicht pauschal beantworten, da es abhängig von der Zielsetzung ist. Macro-Influencer können als Leuchtturmprojekte extreme Reichweiten generieren, wohingegen Micro-Influencer gerade im Bereich Engagement sehr stark sind. Wenn es budgetär machbar ist und mit der Zielsetzung einhergeht, kann es sehr viel Sinn machen, mit beiden zusammenzuarbeiten und sozusagen das Beste aus beiden Welten für sich zu nutzen.

8. An welcher Stelle tritt für Dich die Kennzeichnungspflicht ein und wie muss diese ausgestaltet sein?

Gerade im Kinder- und Jugendmarketing sollte schlichtweg alles gekennzeichnet werden. Aber auch in allen anderen Bereichen ist man einfach auf der sicheren Seite, wenn man lieber mehr kennzeichnet als zu wenig. Gerade die gängigen Behörden warten nur auf unnötige Fehler.

9. Wie sollten sich die Unternehmen bzgl. der Kennzeichnungspflicht verhalten? Braucht es hier nicht einen Verhaltens-Codex wie z.B. in anderen Themen (Marktforschung zum Beispiel)?

Ich denke nicht, das es eines Codex bedarf, es ist schlichtweg die Verantwortung der Entscheider. Und nochmal: lieber mehr Kennzeichnungen als zu wenige, der Performance tut das keinen Abbruch und man ist auf der sicheren Seite.

10. Was ist für Dich die Zukunft bei dem Thema? Und als optionale Ergänzungsfrage: Welchen Anteil möchtest Du bzw. Du mit Deinem Team/Organisation dazu beitragen?

Die Professionalisierung und der Feinschliff des Influencer Themas im Allgemeinen ist eines unserer Anliegen. Die Zukunft wird so aussehen, dass immer mehr Budgets aus dem klassischen Marketing ins Influencer Marketing wandern, wo sie faktisch besser und performanter eingesetzt werden können. Mein Team und ich möchten eine noch größere Rolle im crossmedialen Einsetzen von Influencern spielen. Wir sind schon auf einem sehr guten Weg, auf dem wir mit den stetig neuen Anforderung sehr gesund wachsen. Auch das Entwickeln einzelner – bestehender und neuer – Influencer hin zu nachhaltigen Marken begleiten wir jetzt schon und wollen auch dies zukünftig signifikant ausbauen.

 

Vielen Dank für die aufschlussreichen Antworten!