Besteht beim Influencer Marketing noch Meinungsführerschaft mit der Kennzeichnungspflicht?

Ein mitunter sehr aktuell diskutiertes Thema hinsichtlich des Influencer Marketings ist die Kennzeichnungspflicht. Erst vor einigen Wochen schrieb der BVDW über die Dringlichkeit, gesponserte Inhalte zu kennzeichnen, und veröffentlichte ein Whitepaper zu der Thematik. Auch der DRPR schreibt zuletzt, dass der wachsenden Grauzone im Influencer Segment mit klaren Vorschriften entgegen gewirkt werden muss. Angesichts der Tatsache, dass eine Kennzeichnung nach Gesetzgebung nun zwingend erforderlich wird, kommen berechtigte Zweifel auf, ob sich Influencer Marketing dann noch merklich von der klassischen Werbung abhebt. Der sonst sehr versteckte Einfluss von Influencern wird damit nun auf eine harte Probe gestellt.

Influencer setzen ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel

Spätestens nach dem Rossmann-Skandal dürfte Unternehmen die Pflicht der Kennzeichnung bewusst sein. Auch wenn unter den Influencern immer noch viele schwarze Schafe unterwegs sind, die sich mit hohen Geldbeträgen für das Nichtkennzeichnen bestechen lassen und ihre Authentizität und Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen.

Tatsächlich geben laut eines aktuellen Berichts der W&V 90 Prozent der befragten Influencer an, sich an die Vorschriften der Kennzeichnungspflicht zu halten. “Nur” jeder Zehnte räumt ein, nicht regelmäßig darauf zu achten. Der Trend scheint langfristig die Intention der Landesmedienanstalten sowie anderer zuständiger Behörden zu erfüllen und zunehmend im Rahmen des Erlaubten zu bleiben. Wenn nicht sogar in einer Qualitätssteigerung zu resultieren.

Brand-Fit muss Influencer und seine Zuhörer ansprechen

Denn damit werden Unternehmen doch nur einmal mehr in die Richtung gelenkt, den wahren Brand-Fit unabhängig von der Reichweite zu analysieren. Erst wenn Influencer ihre Produkte ehrlich nutzen und präsentieren, machen sich Unternehmen die Glaubwürdigkeit und Authentizität zum eigenen nachhaltigen Nutzen zu machen, wenn diese ihre Produkte nutzen und präsentieren. Den Influencern sollte selbst bewusst sein, dass Ehrlichkeit ihr höchstes Gut ist. Und dass die offenkundige Darbietung von Produkten, wenn sie zu den eigenen Vorstellungen und Werten passen, der Internet-Präsenz keinen Abbruch tut. „Zudem erwarten Nutzer diese Transparenz in der Werbung. Das ist auch eine Art Wertschätzung“, schreibt der BVDM.

In erster Linie folgen Leser den Influencern ja nicht der Produkte wegen, sondern weil sie ihnen einen sozialen Mehrwert mitgeben. Sei es informativer Content, ein Alltag, mit dem sich die Leser identifizieren können, einfach weil der Typ einem zuspricht oder wegen eines anderen persönlichen Akzents, der den Influencer unverwechselbar macht. Wenn Produkte oder Dienstleistungen diesen Lifestyle unterstützen, macht eine themenverwandte Positionierung der entsprechenden Marke auch Sinn und dürfte mit einem Werbetag zumindest keine negativen Auswirkungen auf die Influencer Relations nach sich ziehen.

Mit dem Fachbeitrag “Absprachen über Kennzeichnung – wie ist die Regelung mit den Influencern zu gestalten?” von der Rechtsanwältin Jenny Hubertus wird dazu am 07.12.2017 ein anregender Impuls auf dem Influencer Marketing Forum gegeben und offene Fragen beantwortet.