Storify-Review zum Influencer Marketing Camp – über die Relevanz der Followerzahl, Fake-Influencer und die Wunschliste einer Influencerin

Das Thema Influencer-Marketing ist in aller Munde. Erst vor knapp zwei Wochen fand deutschlandweit das erste Barcamp zu der Thematik statt. Ich selbst finde den Trend (wenn man das noch so nennen kann?) auch unglaublich spannend – da spielt in den sonst sehr ernsten Business Kontext doch wieder etwas mehr Persönlichkeit rein – und umso mehr freue ich mich auf unser Influencer Marketing FORUM im Dezember, gleich im Anschluss an das Monitoring FORUM, auf das sich damit thematisch wunderbar aufbauen lässt. Björn bat mich, in diesem Zuge einmal ein Review zum Influencer Marketing Camp zu verfassen – da weiß man es einmal mehr zu schätzen, dass die Teilnehmer uns über Twitter mitgenommen und schon den ein oder anderen Rückblick gegeben haben. Ins Rollen gebracht wurde das Event übrigens auch über Twitter, nämlich so:

Hintergrund der Veranstaltung war der wachsende Hype um das Thema Influencer-Marketing, aber nicht mit dem Ziel, das Phänomen noch mehr zu pushen, vielmehr um auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen und es kontrovers und konstruktiv unter die Lupe zu nehmen. Denn sobald viel Geld ins Spiel kommt – und das ist mehr und mehr der Fall – verliert insbesondere das Influencer Marketing, bei dem es ja vor allem um Authentizität und Glaubwürdigkeit geht, an Mehrwert, verschreckt potenzielle Kunden und riskiert den Verlust mühselig erarbeiteten Vertrauens. Und wo wir gerade bei Geld und Influencern und mangelnder Glaubwürdigkeit sind: Die storify Selektion offenbarte zwischen den Tweets mit dem Hashtag #imcamp17 direkt die ein oder andere Einladung, sich für ein wenig Geld ein paar Follower dazu zu verdienen. Das war tatsächlich auch Thema des Barcamps. Einer der Speaker offenbarte dieses Vorgehen als Teil seiner Instagram Vergangenheit, räumte aber ein, dass es nicht funktioniere, wenn man nicht stetig neue Abonnenten dazukauft.

Nachvollziehbar ist die Intention der Fake Influencer mittlerweile definitiv, legen Agenturen und Unternehmen schließlich zunehmend Wert auf eine möglichst hohe Abonnentenzahl. Gleich nach dem Prinzip: Viele Follower = großes Publikum = viele potenzielle Abnehmer. Völlig falscher Ansatz und in meinen Augen mehr ein Schritt zurück als vorwärts. Ich dachte, aus dem Alter wären wir raus, dass blind nach Werbegesichtern gesucht wird, die nur eine möglichst große Gefolgschaft aufweisen.

Ob das Gesicht denn dann auch zur Marke passt und Abonnenten erreicht, die sich über den Influencer damit identifizieren können, scheint dabei eher wieder zweitrangig zu sein. Zielgruppenorientiert sieht für mich anders aus. Anna Frost, deutschlandweit anerkannte Mode- und Lifestylebloggerin, scheint diesen Trend ebenfalls zu beobachten und hat sich eine Wunschliste einfallen lassen, die eindringlich vermittelt, worauf es (ihr) wirklich ankommt.

Die Reichweite sollte einen geringen, zumindest nicht den wichtigsten Stellenwert einnehmen, wenn es um Kooperationen geht. Auch Micro-Influencer (Björn hatte in einem Rückblick zur dmexco eine kurze Einordnung von Micro- und Macro-Influencern vorgenommen) haben bei strategischer Koordination ihren Charme, wenn nicht sogar eine vielversprechendere Wirkung. Große Reichweite ist nicht gleich relevante Reichweite. Fokus muss auf anderen KPIs liegen. Eine Session befasste sich in diesem Zusammenhang auch mit einer Reihe an Tools, die zur Identifikation passender Influencer geeignet sind. Entsprechende Monitoring-Tools sollten nicht bloß aktuelle, sehr offensichtliche Statistiken berücksichtigen..

…vielmehr sollten Social Insights über eine tiefer gehende Analyse den Kontext von Profilen identifizieren und Potentiale im Sinne des eigenen Markenbilds aufdecken und Trends erfassen, die sich mit der eigenen Präsenz kombinieren lassen. Im Live-Blog fasst Christa Müller den essentiellen Output und weiteren Diskussionsbedarf des Barcamps treffend zusammen.       Zu hinterfragen ist, ob allgemeingültige Guidelines dem wachsenden Unmut gegenüber dem Influencer Marketing Abhilfe schaffen würden. Etwas, das als Ganzes von seiner Authentizität und Glaubwürdigkeit lebt, von Beziehungen und persönlicher Interaktion, gerät mit Vorschriften und fehlender Freiheit womöglich in eine Spirale des Gefälschten. Oder ist gegebenenfalls das Potential von Influencern jetzt, wo es jeder macht, wo Algorithmen durchschaut und mit Bots überführt werden, schon längst überholt? Fest steht, Unternehmen müssen sich besser informieren, Zeit investieren, um echte, markenverwandte Multiplikatoren zu identifizieren. Mit der Unterstützung von Fake-Accounts tun sie sich selbst und dem Influencer-Geschäft allgemein auf langfristige Sicht nichts Gutes. Das Influencer Monitoring Barcamp scheint in seinem Format einen erfolgreichen Start hingelegt zu haben. Weitere Eindrücke findet ihr auch in der Momentaufnahme einer Teilnehmerin. Das sind alles wertvolle Impressionen, die wir gerne im Zuge unseres Influencer Marketing FORUMs mitnehmen und weiterspinnen.