Wolfgang Lünenbürger: Mischung aus Unmittelbarkeit, Exklusivität und Entertainment ist das Spannende an Ephemeral Media!

Ich weiss nicht, ob es jedem schon aufgefallen ist, aber wir haben das Line-Up des D2M SUMMIT um noch einen spannenden Punkt ergänzt – und zwar um einen Vortrag von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach zum Thema “Ephemeral Media”. Nun – ich denke zu Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach (kurz @luebue) muss wohl nicht viel sagen – als dass er eine Experten-Größe zum Thema digitale Kommunikation ist. Für ihn steht dieses Jahr ganz im Zeichen der “Ephemeral Media” (flüchtigen Medien) – sprich Snapchat, Persicope, Yo und Co – also digitalen Diensten, die auf das “gesprochene Wort in Echtzeit” in der digitalen Kommunikation setzen. Im Referenten-Interview habe ich versucht, das Thema und die Begründung für die Bedeutung bei Wolfgang etwas zu hinterfragen – lest selbst:

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach

1) Wolfgang – Du sprichst diese Woche beim #d2m15 über “Ephemeral Media” – sprich Snapchat, Periscope & Co. Was können wir erwarten – was sind Deine drei Tags für den Vortrag?

Ich zeige, wie Ephemeral Media funktionieren (denn viele werden es aktiv ja nicht nutzen, immerhin gibt es auf Snapchat beispielsweise quasi keine Leute über 20 Jahren) und was daran anders ist als im Such-Internet und im Social Web. Denn Ephemeral Media ist kein Social Media, sondern ein völlig neues „Web“, das nicht durchsuchbar ist, dafür flüchtig und zu fast 100% Entertainment.

Tags: #instantexpression #mobile #threewebs

2) Was steckt hinter dieser neuen Bedeutung des erlebten Echtzeitmoments, bei dem die Dienste ansetzen? Was ist die Motivation der User dort mitzumachen?

Ephemeral Media ist komplett Echtzeit. Erstmals haben wir ein Web, das im Grunde genau so funktioniert wie persönliche Gespräche in der Kohlenstoffwelt. Kaum gesagt, schon verschwunden. Oder wie wir Radioleute sagen: das versendet sich.

Vor allem genau diese Flüchtigkeit (was ja die Übersetzung von „ephemeral“ ist) macht für viele Nutzerinnen den Reiz aus. Ich muss mich nicht aufdonnern, ich muss nicht korrekt sein, ich kann auch mal was machen, was nicht meinem Image und meiner Marke entspricht. Nicht umsonst ist beispielsweise bei Snapchat die Währung nicht monthly active user sondern hourly active user.

3) Für welche Art der Kommunikation und welche Produkte / Marken sind diese Medien nun geeignet? Und wie muss die Kommunikation über diese Medien zugeschnitten werden?

Es sind eher Anlässe, die etwas für die Eignung ausmachen. Alles, was mit Impuls zu tun hat, kann sinnvoll sein, ich finde beispielsweise sehr spannend, wie Taco Bell damit arbeitet. Auch Periscope ist ja sehr unmittelbar – ich kann nichts suchen, ich kann nur entdecken, was gerade passiert (und – wie bei Snapchat – nach 24h ist alles weg). Überall, wo die Mischung aus Unmittelbarkeit und Exklusivität mit Entertainment zusammen kommt, wird es spannend.

4) Was ist die Herausforderung für die Kommunikation – speziell auf diesen Medien und generell als Auswirkung dieser Medien?

Vor allem, dass es eben wirklich um unmittelbaren Ausdruck geht. Und dass ich auf den Punkt richtig liegen muss. Alles ist (fast) live. Wenn der CEO von Opel wie neulich in Berlin geschehen mal schnell das Handy zückt und live auf Periscope streamt, dann kann der eine oder die andere aus der Kommunikationsabteilung schon mal einen Herzstillstand bekommen.

5) In einer Analyse des Themas meinerseits traf ich die Aussage: Ephemeral Media – der Booster für’s Content Marketing! Sprich für die Unternehmenskommunikation müssen beiden “ineinandergreifen”. Wie stehst Du zu dieser Aussage?

Da bin ich eher kritisch. Denn für Content Marketing (also vor allem für die 50% des Aufwands, die sich ums Marketing des Contents drehen) ist das Ephemeral Web erstmal nur wenig relevant. Es ist eine Begleitmusik, aber kein Booster – denn in der Regel werde ich nicht auf das permanente Web verlinken und schaffe keinen permanenten Content. Etwas anders ist es bei Yo als einer der drei zurzeit meines Erachtens wichtigsten Plattformen im Ephemeral Web – hier bietet die API spannende Möglichkeiten, die auch aufs Content Marketing einzahlen. Guck nur mal den Techchrunch-Service an: Wann immer ein Tweet von Techcrunch, der auf einen Artikel verlinkt, 200 Retweets bekommt, bekomme ich eine Yo. Aber trotz allem ist das eine Nische.

6) Mit welchen Erwartungen kommst Du zum #d2m15?

Ich finde ja, dass ihr mit dem #d2m wirklich eine der spannendsten Veranstaltungen geschaffen habt. Gute Sprecherinnen, viele aus Unternehmen (jaja, sage ich als Agenturchef), kompakt an einem Tag (viel besser!). Ich hoffe auf den einen oder anderen Impuls, viele Nachfragen und kritische Diskussionen zu Themen, an denen ich dran bin – und dass ich vielleicht auch die eine oder andere motivieren kann, sich Cohn & Wolfe einmal anzusehen oder mit uns ins Gespräch zu kommen. Logo.






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