Anna-Maria Zahn: Integration der Monitoring-Ergebnisse in Alltag noch eine Baustelle

Anna-Maria ZahnAnna-Maria Zahn verantwortet als Director Social Media Research die fachliche Leitung des Marktforschungs- und Beratungsunternehmen ForschungsWeb. Zuvor war Sie Teamleiterin und Key-Account-Managerin bei der Business Intelligence Group. Parallel engagiert sie sich für die Themen Social Media Monitoring und Measurement in Verbänden, Gremien und auf Tagungen und Kongressen.

Sie verfügt über umfangreiches Wissen und Erfahrung im Bereich des Social Media Monitorings und führt regelmäßig Trainings, Workshops und Seminare zu diesem Thema durch. Sie ist seit 2009 Leiterin der Unit Markt-/Trendforschung im Bundesverband der Digitalen Wirtschaft (BVDW) und seit 2011 stellvertretende Vorsitzende der BVDW-Fachgruppe Social Media und treibt auch in diesen Funktionen die Themen Social Media Erfolgsmessung und Monitoring aktiv voran.

1. Forschungsweg ist Konferenzpartner beim diesjährigen Social Media Monitoring Forum, und Du selbst leitest am Seminartag ein Seminar zu Methoden & Tools für die Social Media Analyse. Mit welchen drei Schlagworten würdest Du den aktuellen Status beim Social Media Monitoring beschreiben?

#höher #größer #weiter 😉 Nein, Spaß bei Seite – ehrlich gesagt, ist dies schwer zu beschreiben/sagen. Die aktuelle Entwicklung ist zu unterschiedlich, als dass sie sich auf drei Schlagworte reduzieren lässt. Aber dazu mehr in meinen Antworten auf Eure Fragen, die ja genau das auch widerspiegeln.

2. Als Anbieter von Social Media Monitoring habt Ihr sicherlich einen guten Einblick in verschiedene Branchen. Wie unterscheiden sich die verschiedenen Branchen in ihren Anforderungen an das Monitoring (oder warum ist die Branche vielleicht gar nicht so wichtig)?

Das ist eine gute Frage: Wir haben selbst innerhalb von der Branchen schon sehr unterschiedliche Erwartungen und Anforderungen kennengelernt. In unseren Social Media Monitoring Strategie und Tool Auswahl Beratungsprojekten sehen wir immer wieder, dass es eher auf das vorhandene Buzz-Aufkommen, das vorhandene Monitoring-Budget und die mit dem Monitoring verfolgten Ziele ankommt. Sicherlich kommen noch der Schwierigkeitsgrad der Suchbegriffe sowie der Umfang der Sprachen und Länder hinzu. Daher lässt sich diese Frage nicht einfach beantworten. Wir haben zur Ermittlung der kundenspezifischen Anforderungen ein Kriteriensystem mit über 150 Faktoren entwickelt, dass es uns ermöglicht schnell & effizient in Frage kommende Tools vorauszuwählen. Das lässt sich leider nicht im Rahmen eines solchen Interviews nicht in Gänze darstellen.

Fakt ist, dass die genannten Punkte sicherlich auch durch die Branchenherkunft bestimmt werden. Es gibt nun einmal Branchen, die Social Media affiner sind und damit eine höhere Bereitschaft aufweisen, sich auf mit dem Thema Social Media Monitoring & Analyse zu beschäftigen.

3. Ist Social Media und damit das Monitoring wirklich schon bei allen Unternehmen angekommen, oder siehst Du in bestimmten Bereichen noch Nachholbedarf für Unternehmen?

Das Thema ist in jedem Fall auf der Agenda angekommen: In der aktuellen BVDW-Studie geben rund 90% der Unternehmen an, Monitoring bereits zu nutzen. Die Schere des Erfahrungsgrads geht aus unserer Sicht jedoch sehr stark auseinander. Es gibt immer noch sehr viele Einsteiger, die sich erst einmal nur langsam an das Thema herantasten. Nachholbedarf sehe ich aber auch durchaus bei den Unternehmen, die bereit schon länger mit dem Thema arbeiten. Insbesondere die Integration der Monitoring-Ergebnisse in den Alltag des Unternehmens und das aktive Arbeiten mit den Ergebnissen ist bei vielen noch eine große Baustelle. Selbst Unternehmen, die wirklich viel Geld ausgeben, tun sich hierbei schwer. Das liegt vor allem an den fehlenden personellen Kapazitäten.

4. Auf welche Social-Media-Plattformen sollten Unternehmen derzeit beim Monitoring verstärkt achten?

Pinterest, Instagram und LinkedIn – diese Plattformen nehmen in der Relevanz der User immer weiter zu und diesem Trend muss auch im Monitoring Rechnung getragen werden. Nur leider gibt es noch nicht viele Tools, die hier eine vollständige Abdeckung der relevanten Inhalte bieten. Hinzukommt Amazon für alle Unternehmen, die hier Produkte vertreiben. Auch hier ist im Markt der Monitoring-Tools aktuell viel in Bewegung. Viele arbeiten sehr eifrig an einer Integration, die aber häufig aufgrund der Einschränkungen seitens Amazon sehr schwierig ist.

5. Welche Entwicklungen beim Social Media Monitoring siehst Du für die nächsten ein bis zwei Jahre?

Ich denke, die Flexibilisierung der Dashboards, die bessere Abdeckung der bereits integrierten Plattformen wie Facebook und die Erschließung neuer Märkte wird weitervoranschreiten. Zudem werden wir weitere Vorschläge zur Integration sehen: sei es von Webanalytics-Daten oder anderen Daten in Monitoring-Tools oder von Monitoring-Daten in andere Systeme zur Datenauswertung im Unternehmen. Aktuell führen wir viele Gespräche, an denen wir erkennen können, dass ein hoher Bedarf an integrierten Datendashboards seitens der Unternehmen besteht. Bei großen Konzernen, die ein hohes Social Media Buzz-Aufkommen über ihre Marke und Produkte zu verzeichnen haben, spielt in diesem Zusammenhang auch die Echtzeitbeobachtung und -visualisierung der Daten mittels so genannter Social Media Command Center oder Social Media War-Rooms eine wichtige Rolle.

6. Welche Erwartungen hast Du für das Social Media Monitoring Forum?

Ich bin gespannt auf neue Praxisbeispiele und einen interessanten Austausch mit den Anwenden und Branchenvertretern. Wir begleiten das Social Media Monitoring als Konferenzpartner nun schon seit seiner Gründung und sehen eine sehr positive Entwicklung. Das Social Media Monitoring Forum bietet Unternehmen die einmalige Chance, sich fokussiert und effizient über die Entwicklung der Social Media Monitoring Branche zu informieren, aktuell wichtige Fragen gemeinsam zu diskutieren und immer wieder neue spannende Cases aus der Praxis kennenzulernen. Bisher haben selbst wir als ausgewiesene Monitoring-Experten auch immer wieder etwas Neues vom #somofo mitgenommen.

Vielen Dank für das Interview, Anna!

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Frank Hamm

Frank Hamm ist selbstständiger Berater für Kommunikation und Kollaboration. Er berät und unterstütz Unternehmen, Organisationen und Personen bei dem digitalen Wandel. Über seine Themen Enterprise 2.0, Social Business, Social Collaboration, Public Relations, Social Media und Office Productivity bloggt er im INJELEA-Blog.



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