Susanne Ullrich: Unternehmensstrukturen und Monitoring-Zielsetzung wichtiger als Branche

Susanne UllrichSusanne Ullrich ist Head of Marketing DACH bei dem internationalen Social Media Monitoring Tool-Anbieter Brandwatch. Zuvor war sie bei einem Suchmaschinenspezialisten im Bereich Kommunikation & Kooperationen sowie in einer Agentur als Account- und Projekt-Manager tätig. Die studierte Medienwirtschaftlerin ist stellvertretende Vorsitzende der Fokusgruppe Social Media im Bundesverband der Digitalen Wirtschaft (BVDW). Sie ist überzeugt, dass Frauen in der digitalen Branche sichtbarer werden sollten und engagiert sich daher auch im Team der Digital Media Women. Details und Projekte von ihr gibt es auf www.torial.com/susanne.ullrich. Auf Twitter ist sie @ullrichsusanne.

1. Brandwatch ist Sponsor beim diesjährigen Social Media Monitoring Forum. Mit welchen drei Schlagworten würdest Du den aktuellen Status beim Social Media Monitoring beschreiben?

Professionalisierung, Influencer-Analysen, Command Center

2. Als Anbieter von Social Media Monitoring habt Ihr sicherlich einen guten Einblick in verschiedene Branchen. Wie unterscheiden sich die verschiedenen Branchen in ihren Anforderungen an das Monitoring (oder warum ist die Branche vielleicht gar nicht so wichtig)?

Es kommt weniger auf die Branche an als auf die Unternehmensstrukturen und die Zielsetzung für das Monitoring. Sicherlich gibt es die oder andere Branche, über die nicht so viel im Social Web gesprochen wird, aber auch hier kann Monitoring von Bedeutung sein. Nehmen wir das Beispiel B2B: Im Grunde hat der Großteil der Unternehmen deutlich weniger Treffer als bei sogenannten “Love Brands” aus dem B2C-Bereich. Wenn es jedoch für das B2B-Unternehmen essentiell ist zu erfahren, welche Aktionen die Mitbewerber durchführen oder welche Themen die Zielgruppe interessiert, um dies in die Content Marketing-Strategie einfließen zu lassen, kommt es weniger auf die Anzahl der Erwähnungen zur eigenen Marke an. Daher sollte man als Unternehmen immer zunächst überlegen, welche Geschäftsprozesse mit Informationen aus dem Social Web erleichtert werden können und die richtigen Fragen stellen, bevor man das Monitoring aufsetzt.

3. Ist Social Media und damit das Monitoring wirklich schon bei allen Unternehmen angekommen, oder siehst Du in bestimmten Bereichen noch Nachholbedarf für Unternehmen?

Immer mehr Unternehmen setzen Monitoring ein und haben die Bedeutung erkannt. Dennoch merken wir oft, dass der praktische Einsatz teilweise noch rudimentär ist und nicht auf alle Abteilungen in einem Unternehmen ausgerollt wird. So sind oftmals noch ausschließlich Marketing und PR ausschließlich für Monitoring verantwortlich. Das Positive ist jedoch, dass von dieser Seite ein großes Interesse an einem umfangreicheren Einsatz von Monitoring besteht und auch der Wunsch vorhanden ist, die Tools in weiteren Abteilungen einzusetzen.

4. Wenn Du Funktionen des Social Media Monitoring in Pflichtfunktionen und in Kür-/Premiumfunktionen unterteilen müsstest, welche Funktionen siehst Du wo?

Die größte Pflicht eines Monitoring Tools ist die Bereitstellung umfangreicher Daten von hoher Qualität. Denn relevante Daten sind der Schlüssel zum Monitoring-Erfolg – ohne sie treten alle noch so praktischen Features in den Hintergrund. Neben einem guten Crawler und der Anbindung an wichtige Schnittstellen ist es daher von Bedeutung, dass sich Suchanfragen mittels Query-Operatoren bestmöglich spezifizieren lassen. Darüber hinaus gibt es natürlich noch weiter Pflichtfunktionen wie beispielsweise die Flexibilität von Dashboards, umfangreiche Filtermöglichkeiten oder die Option zum Automatisieren von Prozessen, um die Arbeit mit dem Monitoring Tool effizient und zeitsparend zu gestalten. Kürfunktionen sind aus meiner Sicht die optionale Verfügbarkeit von Kommandozentralen, die an die vorhandene Monitoring-Plattform angedockt werden können – obwohl diese aus meiner Sicht auch immer stärker in den Pflichtteil überwanden.

5. Auf welche Social-Media-Plattformen sollten Unternehmen derzeit beim Monitoring verstärkt achten?

Natürlich die Klassiker Twitter und Facebook. Aber auch Instagram gewinnt immer mehr Bedeutung in der Social Media-Welt und sollte daher ins Monitoring einbezogen werden. Bei aller Bedeutung der klassischen Social Media-Kanäle aber Seiten wie Blogs, Foren oder News-Portale nicht ausgegrenzt werden. Denn oftmals finden hier auch viele für Unternehmen relevante Gespräche statt.

6. Welche Entwicklungen beim Social Media Monitoring siehst Du für die nächsten ein bis zwei Jahre?

Monitoring wird in den nächsten beiden Jahren noch weiter professionalisiert – bis hin zum 360°-Einsatz im Unternehmen. Unsere Brandwatch Kollegen in den USA berichten zudem immer wieder vom schnellen Einzug von Command Centers in die Unternehmen und deren zunehmender Bedeutung. Die Kombination aus Monitoring, Analytics und Visualisierung der Daten mittels Kommandozentralen wird sicherlich auch bald in Deutschland immer stärker gefragt werden. Denn nur so können Firmen sicherstellen, dass sie in Echtzeit angemessen auf eingehende Kommentare reagieren.

7. Welche Erwartungen hast Du für das Social Media Monitoring Forum?

Das wird nun schon mein drittes Monitoring-Forum und ich erhoffe mir viele spanende Vorträge, die den aktuellen Status Quo des Themas widerspiegeln. Neben dem Wiedersehen von bekannten Monitoring Forum Besuchern freue ich mich natürlich auch auf ein Kennenlernen mit vielen neuen Monitoring-Fans.

Vielen Dank für das Interview, Susanne!

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Frank Hamm

Frank Hamm ist selbstständiger Berater für Kommunikation und Kollaboration. Er berät und unterstütz Unternehmen, Organisationen und Personen bei dem digitalen Wandel. Über seine Themen Enterprise 2.0, Social Business, Social Collaboration, Public Relations, Social Media und Office Productivity bloggt er im INJELEA-Blog.