Die Agilität des Social Media Monitorings lässt keine 100%-ige Abdeckung zu

Mit der zweiten Auflage des Social Media Monitoring FORUMs wurde gestern mittels der praxisbezogenen Fallbeispiele wieder ein wesentlicher digitaler Fortschritt ersichtlich: im Zuge der Social Media Kommunikation ist das Social Media Monitoring mittlerweile ein nahezu fester Bestandteil – das Bewusstsein einer notwendigen Integration ist also vorhanden. Insbesondere die Keynote-Session gleich zu Beginn nahm aber auch darüber hinaus schon auf den ganzheitlichen Integrations-Ansatz Bezug. Jan Warp von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte machte auf die Notwendigkeit aufmerksam, das Web Monitoring mit konkreten Zielsetzungen aufzusetzen und tatsächlich nur KPIs zu nutzen, die aussagekräftig sind und Businessrelevanz haben.

Warp Session

Die Social Buzz Erhebung reicht hierbei nicht aus und vermittelt oftmals einen irreführenden Eindruck des nachhaltigen Kunden-Interesses und -Engagements. Vor allem erstaunlich war hier, dass das Monitoring bei der BSH im Vertrieb angesiedelt ist. Nämlich mit der Absicht, den Käufer an die Hand zu nehmen, um ihm die Marke bewusst zu machen und den hieraus entspringenden positiven Buzz für sich zu nutzen. Auch der zweite Vortrag von Dr. Holthausen gab spannende Einblicke in die nachhaltige Nutzung sozialer Daten. Mit der sogenannten “Genom-Methode” legte er die Ergebnisse einer Studie offen, mit der unabhängige persönliche User-Daten und -Interessen aus öffentlich zugänglichen Profilen sozialer Netzwerke verknüpft erschlossen und ausgewertet werden können.Holthausen Als interessanter Mehrwert für klassische Marktforschungsmethoden bestehen hierbei die Vorteile der Echtzeiterhebung und der Authenzität. Gleichzeitig werden hier unwissend Kausalitäten ersichtlich, der bei bewussten Befragungsprozessen so vermutlich keine Beachtung zukäme.

Sascha Adam stellte im Anschluss die Monitoring-Strategie der Axel Springer AG vor. Als so breit gefächertes Großunternehmen mit einem entsprechend vielfältigen Redaktionscluster ist der ganzheitliche Ansatz eine wahre Herausforderung. Ob seine willkürlich aufgesetzten Pilotprojekte nach dem “Just do it-Prinzip” dabei  eine effiziente Herangehensweise war, bleibt offen und steht in einem gewissen Spannungsfeld mit dem ersten Fallbeispiel. Adam Session

Die Idee, eine zentrale Stelle als Ausgangspunkt einer neu integrierten virtuellen Monitoring-Organisation einzurichten, geht in meinen Augen aber schon in die richtige Richtung einer ganzheitlichen Ausrichtung. Wichtige Erkenntnis seinerseits war auch, dass die Effektivität des Monitorings sich vor allem an dem Know-How und der Umsetzung der Verantwortlichen misst. Adam Session2

Nach der ersten Pause ging es dann im Speziellen um die Monitoring-Einbindung in die Social Media Kommunikation. WWF Social Media Verantwortliche Melanie Gömmels begeisterte wie gewohnt mit “tierischen” Blickfängen und zeigte, dass auch eine NGO ohne zielorientiert integriertes Analyse-Tool auf die Schnauze fallen kann.

Melanie Gömmel

Das Monitoring ist auch vor dem Hintergrund hilfreich, Engagement zu schaffen und Influencer zu identifizieren. Um die Bedürfnisse der Organisation abzudecken, ist es jedoch mit einem einzelnen Tool bisher nicht getan. Künftige Entwicklungen des WWFs sollen darüber hinaus zunächst deutschlandweit und dann auch auf eine globale Monitoring-Einbindung abzielen.

Oliver Frischemeier machte deutlich, dass auch für eine Aktiengesellschaft wie die Deutsche Börse das Social Media Monitoring an Relevanz gewinnt. Bisher findet eine inkrementelle Integration statt, indem immer mehr Bereiche von der Notwendigkeit überzeugt und Mitarbeiter entsprechend aufspringen und geschult werden müssen. Dies gelte es zu optimieren.

Frischemeier

Nach dem Mittag gab Anna-Maria Zahn von ForschungsWeb – im Rahmen des folgenden Live-Testings mit den teilnehmenden Tool-Anbietern – Tipps und Tricks zur Toolauswahl. Kernaspekt war hierbei die Dringlichkeit einer vorläufigen Analyse in Form einer Potentialbewertung und Monitoring-Strategie, d.h. vorläufig Ziele zu setzen, geeignete Themen auszuwerten und Einsatzgebiete festzulegen, bevor es ausgehend davon dann erst darum geht, das abdeckende Tool zu wählen.Zahn Session

Abschließend gab es zwei weitere Best Practices. Julia Jachmann berichtete über die Monitoring-Integration in einem eher kleineren Unternehmen – Addecco, das zwar nur einen geringen Buzz erzeugt und die Influencer vielmehr interner Herkunft sind, das aber dennoch vom Monitoring profitieren kann.

Julia Jachmann Session

Nico Kirch von der Deutschen Bahn bildete ein spannendes Schlusslicht. Als so starker Kritikmagnet bearbeitet sein Team täglich durchschnittlich 800 Anfragen, Beschwerden und andere Kundenanliegen auf sämtlichen Kanälen.Nico Kirch Session

Er hält ein Echtzeit-Monitoring als Prävention für Krisensituationen aufgrund der hohen Social Media Interaktion nicht einmal für notwendig.Die Nutzer seien schneller als jedes Tool. Nichtsdestotrotz setzt die Bahn auf Monitoring. Und das Tool, sagt Kirch, muss ein Kostenpflichtiges sein, um ein professionelles, zielführendes Monitoring zu gewährleisten.

Als Abschluss zettelte Björn noch eine spontane Interaktiv-Diskussion an, die einmal mehr deutlich machte, dass das Aufsetzen des Monitorings in sämtlichen Unternehmen schon zusehends mit konkreten Zielsetzungen einhergeht.

Nico Kirch

Und bezüglich der Toolauswahl, die individuell in Anlehnung daran erfolgt, nie eine 100%-ige Abdeckung der Bedürfnisse garantiert. Schuld daran ist das immerzu dynamische Social Web Umfeld, an dem die Ziele agil wachsen.

Kitzmann Post

 

 

Insgesamt war das #Somofo mit seinen vielfältigen Praxiseinblicken für mich wieder ein überzeugendes interaktives Branchenevent, das über seinen Netzwerkcharakter viel Erfahrungswissen wie auch Diskussionen erzeugte, die Potential für eine Fortsetzung in 2014 offen lassen. In diesem Sinne freue ich mich auf Ende 2014 und wünsche allen Teilnehmern und extern Zuhörenden frohe Weihnachten mit reichlich Schokolade 😉