Wie viel Social-TV brauchen wir? – Moderator Daniel Fiene berichtet über das TV-Experiment „Rundshow“

Es war das bisher größte und sicher auch spannendste Social-TV-Projekt im deutschen Fernsehen: Die Rundshow.

Im Mai diesen Jahres räumte der BR für 4 Wochen einen Sendeplatz täglich, direkt nach der Prime-Time, frei und startete zeitgleich im Internet und TV ein Format, das es bisher so noch nicht gab. Die Redaktion entwickelte im Zusammenspiel mit Usern im Internet das Thema des Tages, das dann in der halbstündigen Sendung behandelt wurde. Die Moderatoren Daniel Fiene und Richard Gutjahr führten durch die Sendung, aber teilnehmen konnte jeder, der interessiert war. Über Skype-Schaltungen, Hangouts, Einblendungen von Tweets und Facebook-Kommentaren und vor allem auch über die eigene App konnten sich Zuschauer mit Abstimmungen oder dem Einsenden von Bild- und Video-Material direkt an der Sendung beteiligen, Feedback geben und das Thema der Sendung mitbestimmen.

Das Projekt Rundshow war von Anfang an nur für 4 Woche geplant. Der BR ist dabei die in dieser Zeit gesammelten Erfahrungen auszuwerten und für die Zukunft zu nutzen.

Der Moderator Daniel Fiene hat das bereits getan und ließ uns beim Digital Marketing & Media SUMMIT 2012 an seinen Erfahrungen teilnehmen. Im Track „Crossmediale Partizipationsformate“ hielt er einen Vortrag mit dem Titel „Wie viel Social-TV brauchen wir?“ den ich hier kurz zusammenfassen möchte:

  • Was im Netz gilt, gilt nicht in anderen Medien
    Laut Fiene war das Redaktionsteam von den Reaktionen der Zuschauer bezüglich der Qualität sehr überrascht. Dass Hangouts und Skype-Schaltungen oft ruckelig sind, ist man vom Netz gewohnt – man hat ja auch keinen Einfluss auf die Qualität. Vom TV dagegen erwarten die Zuschauer Perfektion was Ton und Bild betrifft.
    Fazit: Was man als User im Netz akzeptiert, akzeptiert man nicht unbedingt auch als Zuschauer im TV.
  • Twitter ist der beste Kritiker
    Nach der Sendung waren die beiden Moderatoren täglich rund eine halbe Stunde damit beschäftigt die Tweets zur Sendung zu lesen. Im Durchschnitt konnten sie sich 3 Kritikpunkte mitnehmen um die Sendung zu verbessern. Daniel Fiene berichtet, dass die Zuschauer begeistert waren vom „Feedback zum Feedback“. Zu sehen, dass ihre Kritik gesehen und umgesetzt wird, zeigt ihnen die Wertschätzung und Einbindung der User und macht sie so zu einem echten Teil der Sendung.
    Fazit: Das Annehmen von Kritik und die Veränderung von Kritisiertem wirkt wie eine Belohnung für die Zuschauer.
  • Unterschätzt nicht die App
    Warum noch eine App, wenn man sich über diverse soziale Netzwerke an der Sendung beteiligen kann?, fragte sich Daniel Fiene. Und war dann überrascht von der starken Nutzung. Die sehr einfach gestaltete App „Die Macht“ hatte nur 4 Funktionen: Abstimmen von Themen, Kommentieren, Bild-Material hochladen und Buhrufen/Klatschen. Durch drücken des „Buh“ oder „Klatschen“ Buttons konnten die User den Sendeverlauf direkt und live beeinflussen ohne etwas schreiben oder sagen zu müssen.
    Fazit: Durch die App wird den Zuschauern ein einfacher Zugang zur Sendung geschaffen, in dem sie nicht direkt aktiv werden müssen.
  • Bedürfnis nach Inhalt, Tiefe, Zeit
    Auch und gerade bei Social-TV-Formaten haben die Zuschauer ein Bedürfnis nach Inhalt und danach auch wirklich gehört zu werden. Deshalb gab es vor und nach der Rundshow einen Web-Stream um den Usern die Möglichkeit zu geben ausführlich zu diskutieren und Ungesagtes nach der Sendung noch äußern zu können. Außerdem waren die Zuschauer auf gleicher Augenhöhe wie Moderatoren, Gäste, Promis oder Politiker.
    Fazit: Wenn eine Sendung möchte, dass sich die User beteiligen, muss sie ihnen die Zeit und den Inhalt dafür bieten.
  • Es ist an der Zeit zu experimentieren
    Die Rundshow war vom BR von Anfang an als Experiment gedacht. Daniel Fiene fordert alle Fernsehsender und auch uns alle als Zuschauer dazu auf zu experimentieren. Die Rundshow hatte alles, aber nicht alles ist gut angekommen. Richard Gutjahr hat eine Art „Währung“ entwickelt um den Erfolg von Social-TV zu messen: Er rechnete alle Kommentare, Tweets usw. zu jeder Sendung zusammen.
    Fazit: Die Sender müssen ausprobieren welche Angebote zu ihren Sendungen passen und wie diese genutzt werden (können).

Die Frage “Wie viel Social-TV brauchen wir?” beantwortet Daniel Fiene abschließend so: Social-TV muss nicht so „hyperaktiv“ sein, wie es die Rundshow war. Wichtig ist es den Zuschauern zunächst einen Anknüpfungspunkt in den sozialen Netzwerken zu geben, sei es über Twitter-Hashtags, Facebook-Seiten oder anderes. Denn: „Die Zeit der singulären Medien ist vorbei“ so der SUMMIT-Veranstalter Björn Negelmann nach dem Vortrag von Daniel Fiene.

The following two tabs change content below.