Die Zukunft des E-Commerce braucht eine Neuausrichtung!

Bei meinem Aufenthalt zum Social Web Breakfast in Hamburg (hier zusammengefasst durch Ann-Kathrin!) habe ich auch zwei Abstecher zum Commerce Summit von ePages gemacht. In meinem Beitrag auf der CeBIT-Blog habe ich schon das eine und andere Fazit zur Veranstaltung, den Diskussionen und den auf der Veranstaltung erwähnten Trends im E-Commerce zusammengefasst.

Im Nachgang zu dem oben aufgeführten Beitrag habe ich am Wochenende noch ein paar Beiträge der deutschen E-Commerce-Experten nachgelesen und bin dabei für mich auf folgende Einschätzung zur Entwicklung des E-Commerce gekommen:

1) Das E-Commerce im Sinne des elektronischen Verkaufens ist erwachsen geworden!

Wie auch Wilfried Beeck in unserem kurzen Video-Interview feststellt, ist das E-Commerce erwachsen geworden. Sowohl bei den Kunden als auch den Händler ist Online ein veritabler Einkaufs- bzw. Verkaufskanal. Die Online-Umsätze nehmen einen substantiellen Anteil im Handel ein. In manchen Handelssegmenten fordert der E-Commerce auch seine ersten Opfer, da neue Geschäftsmodelle klassischen Modellen zunehmend das Wasser abgraben.

2) Das E-Commerce braucht einen eigenen USP!

Denn “Erwachsen” heisst auch, dass das Verständnis für das eigene Ich “gewachsen” ist und sich “entwickelt” hat – und da hapert es wohl noch in vielen Ecken. Zu verweisen sei hier auf die spannenden Artikel von Jochen Krisch und Hagen Fisbeck zur Neckermann-Pleite im Juni und den jüngsten Problemen im Schuh- und Buchmarkt. Das Credo vom “Convenience Shopping” als ausreichender USP hat sich überholt, denn der nächste Shop ist “nur einen Klick” entfernt. Ohne USP ist das Online-Angebot (im Sinne des angebotenen Produktes als auch des Shops als Verkaufsort) “austauschbar”.

3) USP im E-Commerce liegt jenseits von Multi-Channel und Preis!

Die SMP-Studie aus dem Frühjahr zeigt es: “Im Cross-Channel-Geschäft kommt es auf individuelle Kanalexzellenz sowie relevante und verlässliche Kundenkommunikation an. Dies seien die Loyalitäts- und Werttreiber. Die Integration der Kanäle spiele hingegen kaum eine Rolle.” Multi-Channel als “Gleichschaltung aller Kanäle” negiert die USP-Anforderung und ist der Stillstand, der ja vielfach “dem Tod” gleichgesetzt wird.

Auch der Preis ist nur bedingt ein Mittel um ein Alleinstellungsmerkmal im E-Commerce zu erzielen. Insbesondere für den klassischen Händler, der auf gesetzte Kostenstrukturen eingefahren ist und kein Online-Marketing im Stil von RocketInternet machen kann.

4) Inszenierung und Storytelling als neue Online-Kanalexzellenz

Statt auf der Transaktionsorientierung liegt das Potential auf der Erlebnisorientierung im Online-Handel. Die Inszenierung des Produkt- und Shop-Angebotes durch soziale und visuelle Features, durch Content-Strategien oder durch Live-Shopping-Konzepte, durch eigene Online-Produktlinen oder einen besonderen Service – sind die Exzellenz-Instrumente des “Future Commerce”.

5) Kanalexzellenz erfordert den Fokus auf das Frontend und nicht das Backend

Folgt man den Forderungen nach der Erlebnisorientierung und Customer Journey, so erfordert dies ein hohes Maß an Gestaltungsflexibilität im Shop-Frontend. Und hier hapert es nach Einschätzung der Experten doch gewaltig. So schreibt Jochen Krisch: “Dass vier Jahre nach Magento und zwei Jahre nach Demandware jetzt auch Hybris einen Marktplatz für Extensions hat, mag ja toll sein, aber wo bleiben bitte die Lösungen/Plattformen/Frameworks für neue Online-Modellefür brachliegende Marktsegmentefür bessere Vernetzungsmöglichkeiten?”

 

Wenn ich vor dem Hintergrund dieser Diskussion den Commerce Summit noch einmal Revue passieren lasse, so ist festzuhalten, dass die Diskussionen mit Ausnahmen dann doch auch dort noch sehr am Transaktions- und Abwicklungsprozess ausgerichtet waren. Jochen Krisch versucht mit seiner K5 Konferenz hier eine Alternative zu bieten. Für die CeBIT Webciety muss in der Richtung erst noch den Beweis antreten.