Ibrahim Evsan: Unternehmen müssen Social Trademarks als firmeneigene Personenmarken aufbauen!

In den letzten Wochen habe ich hier eine ganze Reihe an Konzepten und Maßnahmen vorgestellt und erläutert, die hinsichtlich des Content- und Engagement-Managements unerlässlich sind, um strategisch mit Kunden und Zielgruppen zu interagieren. Digital Storytelling, Issue- und Themen-Tracking anhand von Social Media Monitoring , Community & Engagement Management und und und…

Nun ging es immer darum, was, für wen oder wie etwas publiziert werden sollte. Mit welcher Geschichte erreicht ein Unternehmen seine Zielgruppe und wie werden die Inhalte wahrgenommen, inwieweit verbreitet und beeinflusst?
Aber bei den sozialen Medien dreht es sich auch immer um Personen, die sich vernetzen und miteinander über Plattformen interagieren. Für Unternehmen stellt sich dabei das Problem, dass sie keine Personen sind. So schreibt Prof. Pleil in einer Abhandlung zur Authentizität von Unternehmen in Social Media:

“Unternehmen sind von außen betrachtet zunächst abstrakte Organisationen, deren institutionalisierte Kommunikation nicht per se darauf ausgerichtet ist, den erwähnten Anforderungen, die gerade in Bezug auf das Social Web intensiv eingefordert werden, Genüge zu tun.” (siehe http://www.scribd.com/doc/55220809/Authentizitat-in-der-Social-Web-PR)

Stellt sich die Frage, wer kann als Träger der Authentizität für die Unternehmen einspringen? Externe Personenmarken wie Themen-Experten, Social-Media-Influencer oder Prominente (mit Reichweite in den sozialen Medien) wie z.B. Lady Gaga? Oder im Unternehmen selbst aufgebaute Personenmarken a la Marcel D’Avis von 1&1?

Ibrahim Evsan, Gründer von sevenload.com und Fliplife, beschäftigt sich derzeit mit diesem Thema. Unter dem Schlagwort „Social Trademarks“ betrachtet er gerade die Entwicklungen zu Personenmarken versus Unternehmensmarken und hat mit Björn in einem kurzen Video-Interview dazu gesprochen:

Im Folgenden habe ich wieder eine kurze Zusammenfassung des Videos zusammengestellt:

  • Definition Social Trademarks
    • Personen, denen in sozialen Netzwerken und Suchmaschinen eine bedeutende Rolle/Rangfolge/eine hoher Status zukommt und eine hohe Glaubwürdigkeit zugesprochen wird
    • Herausforderung, dass ein Social Trademark seiner Persönlichkeit treu bleibt, sich nicht als Markenbotschafter versteht, sondern als Experte
    • Klare Unterscheidung zwischen Brand eines Produkts/einer Marke und Brand-Person  (wo sind Talente, Experten, die als potentielle, extern beliebte Ansprechpartner in Frage kommen)
  • Warum jetzt der Trend?
    • Kanalerstellung und -bespielung ist heutzutage für jeden einfacher als früher – mehr User sind potenzielle Social Trademarks
    • Es wird der Glaubwürdigkeit wegen mittlerweile mehr Personen als Firmen gefolgt
  • Problemstellung
    • Gefahr, dass Social Trademarks einen zu hohen Stellenwert in einer Firma erlangen
    • Social Trademark wird abgeworben – entsprechende Firma erfährt nur kurzfristigen Erfolg, solange Trademark in Firma tätig ist
  • Zielsetzung für Unternehmen
    • Ein Social Trademark je Unternehmensbereich einsetzen und als Abteilungsexperte publizieren lassen

Ibrahim Evsan unterscheidet deutlich das Brand Marketing von dem Aufbau und der fortlaufenden Positionierung der Social Trademark. Aber kann man die Aktivitäten bzw. die Effekte aus diesen tatsächlich separat betrachten? Wo sind die Grenzen und wie ist das Zusammenspiel zu organisieren?

Spannend fand ich auch die Aussage über die Authentizität. Björn hat im Interview ja bereits nachgehakt, ob nicht die Authentizität des Social Trademarks (intern oder extern) verloren ginge, sobald er als Markenfürsprechers eines Unternehmens eintritt. Wie kann er sich dennoch langfristig seine Authentizität bewahren – ohne dass er als Marionette agiert?

Da gibt es noch viele ungeklärte Aspekte und ich freue mich auf Eure Meinungen.