Die wirkliche Reichweite der Facebook Fanpage

Auf facebookbiz ist diese Woche ein interessanter Beitrag zu Bewertung der Reichweite von Facebook Fanpages erschienen. Im Beitrag “Wer sieht überhaupt meine Facebook Status Updates?” diskutieren die Herren von der Berliner Brandung über die Sichtbarkeit von Facebook Status Updates. Denn nur weil eine Facebook Fanpage x-hundert/tausend Fans hat, bedeutet dies nicht, dass alle Fans auch das Update sehen. Die Mehrzahl der Fans besucht nach Brian Carter von AllFacebook (siehe The 7 Biggest Fan Page Marketing Mistakes) nie wieder die Fanpage – nach dem initialem “Liken”, sondern bezieht die Meldungen nur über den Newsfeed.

Beim News-Feed muss zwischen der Ansicht der “Letzten Nachrichten” und den “Hauptmeldungen” unterschieden werden. Hier gilt, dass nach Angaben von facebook.biz 95% der Facebook-User den Standard der “Hauptmeldungen” nutzen und dort ist die Sichtbarkeit abhängig vom sog. Edgerank.  Auch hierzu haben die Kollegen der Berliner Brandung bereits im Januar ein interessantes Video von Klurig Analytics gepostet. (siehe Video: So funktioniert der Edgerank Algorithmus von Facebook). Als wichtigste Kriterien für die Sichtbarkeit einer Meldung wurden dabei folgende Aspekte angeführt:

  • Die Affinität des Nutzers zur Facebook Seite – Wie oft ruft er diese auf und wie oft interagiert er mit dieser Seite?
  • Gewichtung der Beiträge – Beiträge die beispielsweise einen Link enthalten, bekommen von Facebook eine höhere Gewichtung zugeteilt.
  • Das Alter der Beiträge – Je älter ein Beitrag ist, desto niedriger bewertet Facebook diesen.

In einer Diskussion im März zu diesem Thema auf meiner Facebook-Profilseite führte Markus Hübner zudem das “Anfangsmomentum” der Interaktion mit der Meldung als wichtiges Kriterium an:

Es gilt also besonders das Timing zu berücksichtigen (gleichzeitige Vernetzung zum entsprechenden Posting über verschiedene Kanäle wie Website, Twitter, Opinion-Leader, Top Multiplikatoren in Facebook etc.) Parallel bieten sich gerade auch “Sponsored Stories” an … bis das “Anfangsmomentum” erreicht ist. (Markus Hübner / brandflow, siehe http://www.facebook.com/bnegelmann/posts/160936010630871)

Die Frage lautet also, mit welchen Konzepten und Maßnahmen lässt sich der Edgerank für eine Facebook Fanpage verbessern? Im folgenden möchte ich kurz ein paar Ideen zur Diskussion stellen, die wir auch beim Community & Marketing 2.0 SUMMIT in der Tiefe weiter diskutieren wollen:

  • Authentischer Dialog als Grundlage: Wenn die Fanpage (nur) durch automatische Feed-Beiträge gefüttert wird, wird es zu keiner Interaktion führen. Wie auch bei anderen Social Media Initiativen kommt es auf die Form der Facebook-Kommunikation an. Dialogorientierte Ansätze, bei dem das Unternehmen/die Marke/das Produkt durch Menschen authentisch und greifbar werden, sind im Vorteil.
  • Unterhaltsame Frage-und-Antwort-Spielchen mit Bezug zum Thema als Interaktionsformate: Die Integration des Users in Entscheidungen rund um das Unternehmen/die Marke/das Produkt/die Kampagne unterstreichen die gelebte Authentizität und Kundenorientierung.
  • Gestützte Aufmerksamkeit zur Steigerung des Anfangsmomentums: Wie von Markus Hübner in der o.g. Diskussion beschrieben wurde, helfen auch flankierende Maßnahmen um punktuell Traffic und damit Interaktion auf einzelne Meldungen zu bringen. Nach Erkenntnissen von Markus Hübner (und meiner Interpretation seiner Aussage!) führt ein hohes Anfangsmomentum auch bei einzelnen Beiträgen zu einem verbesserten Edgerank, was nachhaltige Auswirkungen auf die Sichtbarkeit weiterer Beiträge hat.
  • Interaktionsevents als spezielle Interaktions-Aktionen: Hier kann ich auf Monster.de verweisen – so berichtete Eva-Maria Goldmann beim letzten Social Web Breakfast in Frankfurt über die Effekte der Experteninterviews, die sie als Facebook Fanpage-Administratorin auf der Monster.de-Fanpage durchgeführt hat. Hier wurden Karriereberater als Interviewpartner zu einem “Frage-Antwort-Event” auf die Fanpage zu einem Termin eingeladen. (siehe z.B. http://www.facebook.com/event.php?eid=220026811357079) Dies führte zu über 5%ige Interaktionsraten. Weitere Aktionen sind auch Abstimmungen und Wettbewerbe wie sie von Otto und anderen durchgeführt wurden (natürlich hat dies auch seine eigenen Herausforderungen!).
  • Und frei nach Ralf Schengber – “wenn gar nichts geht, ein Gewinnspiel geht immer!” (Zitat aus Vortrag beim iico)

Welche Empfehlungen haben Sie/habt Ihr noch zum Thema? Ich freue mich über das Feedback und weitere Konzeptideen/-erfahrungen.

Weitere interessante Links zum Thema Edgerank und seine Bedeutung:


  1. Eva Maria Goldmann says:

    Ganz wichtig aus meiner Sicht ist, dass man eine persönliche Beziehung zu seinen Fans hinbekommt. Facebook gibt dazu auch eine gute Möglichkeit.
    Die eine Sache ist die Vorstellung der Administratoren – das Unternehmen bekommt ein Gesicht, eine andere Sache ist die schnelle Reaktion auf Fragen. Beides sollte eigentlich inzwischen Allgemeingut sein.
    Aus meiner persönlichen Erfahrung ist es unerlässlich sich weg vom Marketing- und PR-Sprech zu bewegen. Das will nun keiner wirklich hören 🙂 Das hört man schon in TV- und Radiospots.

    Etwas drittes ist, die Fans in den Alltag der Fanseiten-Betreiber zu holen – nicht ständig, aber dass sie immer mal wieder etwas von der Personen hinter den Administratoren-Namen mitbekommen.
    Z.B. hatten wir viel Feedback auf ein harmloses Foto, welches wir von einer unserer Social-Media Redaktionskonferenz draußen in der Sonne geschossen hatten. Sehr viele “Likes” & Kommentare.
    Unserer Erfahrung nach muss man nicht aus jeder Social-Media Idee, eine Marketing-Kampagne machen. Ein wenig handgestrickt umgesetzt wirkt oft mehr: “Ideechen” binden die Fans, eben Menschen, mehr als manche teure Kampagne, sind schnell und billig umsetzbar. Und genau das ist auch ein Vorteil an allen Social-Media Tools.
    Das war kein Abgesang an große Marketing-Kampagnen – auf keinen Fall. Diese können viel für eine Community tun, um eine ausreichende Basis aufzubauen. Aber Menscheln können eben nur Menschen.


    • sysadmin says:

      Das ist ein schöner Satz, den man sich noch einmal auf der Zunge zergehen lassen sollte: “‘Ideechen’ binden die Fans, eben Menschen, mehr als manche teure Kampagne, sind schnell und billig umsetzbar. Und genau das ist auch ein Vorteil an allen Social-Media Tools.” (Eva-Maria Goldmann)

  2. zehnbar says:

    Interessanter Artikel. Ich habe diese Woche zu einem ähnlichen Thema bei facebook.biz gelesen, dass Gewinnspiele am wenigsten Interaktion haben http://www.facebookbiz.de/artikel/welche-facebook-posts-haben-die-hochste-interaktionsrate
    Ich denke, dass die Stärke der emotionalen Bindung die wichtigste Rolle spielt beim Mitmachweb. Die lässt sich allerdings nicht allein über Facebook aufbauen, sondern ist ein Zusammenspiel aus Produkt, Coolnessfaktor in der eigenen Crowd und persönlichem Geltungsdrang. Die Facebook-Seite “Geil. Geiler. Tätowiert” hat z.B. extrem hohe Zustimmungs- und Kommentarraten ohne dass auf der Pinnwand besonders gehaltvolles oder interessantes stehen würde. Da könnte manche Marke neidisch werden 😉

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