Was steckt hinter #eav bzw. EmpireAvenue? Mein 1-Wochen-Fazit.

EmpireAvenue.com

Gehört davon vor knapp 6 Wochen, angemeldet vor nun knapp über einer Woche – EmpireAvenue.com ist der neueste Dienst, der die “Szene 2.0” bewegt. EmpireAvenue (oder kurz als Hashtag #eav, was mich aber irgendwie “verunsichert”) ist ein virtueller “Aktienmarkt” für Social Media Profile. Hier kann jeder auf die Entwicklung von Profilen bzw. deren Reputationswerte im Netz spekulieren. Das heisst dann in der Beschreibung des Anbieters wie folgt:

Empire Avenue is the Social Media Exchange, where you can invest in any social media profile by buying their shares, meet new people, unlock Achievement badges, and earn boatloads of virtual cash by being active and social online! Buy shares in your friends, your followers, people with similar interests, brands you love, celebrities – anyone! All using a virtual currency and all for free!

Ich bin nun seit knapp einer Woche bei diesem Dienst angemeldet und habe etwas damit “rumgespielt”. Folgendes Fazit über Sinn und Unsinn dieses Dienstes ist mir dabei in den Sinn gekommen:

  • Mehr als nur eine Spielerei: Ja – Empire Avenue ist ein Dienst, den nur unser Alter Ego braucht. Während Twitter und Facebook neben dem Reputations-Dingens noch einen direkt erfahrbaren sozialen Kommunikationsnutzen bieten, steht EmpireAvenue nur auf der Seite des “Aufbrezelns” unserer gesammelten virtuellen Reputation. Sprich für Verkäufer und Marken verspricht es einen potentiellen Nutzen und für den Rest ist es Spielerei. Oder doch nicht? Weil wir im virtuellen sozialen Umfeld ja doch immer auch etwas zu verkaufen haben, ob unseren potentiellen Arbeitgebern, neuen Netzwerkpartnern oder … die Reputationsmessung und -darstellung ist zu einer wichtigen Aufgabe avanciert. Und EmpireAvenue bietet die Möglichkeit gute Reputationswerte in einem spielerischen Kontext aufwerten und schlechte abwerten zu lassen. Da jeder Reputationswert in EmpireAvenue direkt mit der Aktivitäten in den Social Networks verbunden ist, kennzeichnet der Reputationswert nicht nur qualitativ (wie andere den Wert “wertschätzen”) sondern auch quantitativ (wie aktiv das Profil ist!).
  • Gamification deluxe: Wir bereiten ja gerade den Community & Marketing 2.0 SUMMIT mit dem Schwerpunkt “Gamification” vor und für mich stellt EmpireAvenue dabei ein Vorzeigebeispiel dar, was Vieles richtig man, wenn es darum geht Spielprinzipien in einen Service-Ansatz zu integrieren. Nun mag der Kritiker sagen, das Empire Avenue ja per se ein “Social Game” ist und daher von Spielprinzipien lebt. Dennoch finde ich, dass es auch für ein “Social Game” den User in vielerlei Hinsicht spielerisch an der Stange hält – bis hin zur Förderung des Monetarisierung des Dienstes durch die Verknappung der Freemium-Leistungen. Sicherlich gibt es im Hinblick auf die Usability einigen Optimierungsbedarf. In einer Diskussion auf #eav meint Markus Breuer hierzu, dass die “Lernkurve für den Einsteiger” zu niedrig ist – das bedeutet eine große Gefahr, dass er unerfahrene User zu schnell die Lust am Spiel verliert.
  • Another Social Universe for your Brand: Ich habe es ja schon im ersten Punkt gesagt, EmpireAvenue ist mehr als ein Spiel. Es ist eine Aggregationsebene über den sozialen Netzwerken – sprich es führt nochmals zusammen, welche Aktivitäten in Twitter, Facebook, LinkedIn und anderen sozialen Aktivitäten, die via RSS eingebunden werden, unternommen werden. Für eine Marke bedeutet dies, dass sich hier ein “Meta-Profil” anlegen lässt, dessen Bewertung wiederum von dem Marktalgorithmus innerhalb EmpireAvenue auf- oder abgewertet werden kann. Schafft #eav die Etablierung einer weltweiten kritischen Masse, was durchaus noch lange nicht gegeben ist, dann kommen Marken gar nicht umhin, sich hier darzustellen. Nun mögen Kritiker sagen, dass es für die Zusammenführung der “Social Activities” ja auch andere Reputations-Managementdienste gibt, also warum #eav? Weil #eav halt nicht nur zusammenführt und aggregiert, sondern einen eigenen Wert oben draufsetzt und damit nicht optional im Kontext anderer Reputationsdienste steht, sondern immer additiv.
  • Social Analytics als Beiwerk: Ein weiteres spannendes Element des Dienstes sind die darin enthaltenen Analysefunktionen. Alles habe ich da noch gar nicht durchdringen können, weil mir das “Geld” fehlt (denn die Analysemethoden für Twitter, Facebook und sonstige Netzwerke müssen mit dem virtuellen Geld bezahlt werden!) – aber allein die Analysen zur Facebook-Fanpage bietet interessante Erkenntnisse. Auch hier gilt – natürlich brauche ich für Analysen nicht zu EmpireAvenue gehen, sondern kann sie mir entweder durch eigene/installierte Tools oder über spezielle Services (siehe z.B. Liste zu Social Influence Measurement Tools) erschliessen, aber diese Dienste bieten mir halt immer nur den analytischen Teil! Im langen aber sehr interessanten Interview des CEOs von EmpireAvenue mit Robert Scoble wird auf die Grenzen und Möglichkeiten der analytischen Features noch stärker eingegangen: http://www.youtube.com/watch?v=27dudRnM3RI
  • Ein weiterer Dienst, der Aufwand aber kein Sales bedeutet: Und ja – auf EmpireAvenue wird mit Profilen gehandelt, die mit Eaves bezahlt werden. Dies führt zu keinem direkten Umsatz eigener Produkte oder Dienstleistungen. Den wertstiftenden Beitrag für das Unternehmen leistet EmpireAvenue auf der Seite der Transparenzmachung des Reputationswertes im Netz, beim Angebot eines spielerischen Zugangs zur Marke und dem Potential zur Verstärkung von viralen Kampagnen über die Aktivierung eines weiteren Netzwerkes. Also alles weiche, kaum messbare Faktoren, wie bei so vielen sozialen Diensten. Die Bewertung überlasse ich dem Einzelnen.

Insgesamt ist festzuhalten, dass EmpireAvenue durchaus sehr interessant ist und zumindest beobachtet und eventuell ausprobiert werden muss. Als frühe Adaptoren hat man hier durchaus eine gute Chance bei Erfolg des Dienstes “vorne” dabei zu sein. Wir haben mal unsere “Brands” in Position gebracht und erfreuen uns über die “Investments”:

Mich und meine Kollegen lassen sich hier finden: MunichCat, Lutzek und Bjoern. Ich freue mich über andere Meinungen und Fazits zu #eav.


  1. Markus Breuer says:

    Ein gutes Überblick mit noch frischem, ungetrübtem Blick auf das Thema EmpireAvenue. Stimme Dir in den meiste Punkten zu. Bin in der Gesamtbewertung selbst aber etwas gespalten:

    1. Ich finde es handwerklich sehr gut gemacht trotz kleiner Usability-Mängel und einer meiner Meinung nach zu “steilen” (oder, wenn man nicht steil gehen möchte, zu langen) Lernkurve. EAv zeigt exemplarisch fast alle wichtigen Bausteine für Gamification-Taktiken. Die meisten sind gut umgesetzt.

    2. Die Balance zwischen Gamification und Game schlägt sehr stark in Richtung Game aus. Nicht grundsätzlich schlecht, aber vielleicht missverständlich, wenn man es als Beispiel für Gamification vorstellt. Zudem bin ich nicht der klassische Gamer; vor allem kein ausgeprägt kompetitiver (siehe next point).

    3. Als Gamification-Case fokussiert es m.E. auch extrem stark auf die kompetitiven Elemente. Die sozialen Elemente sind vorhanden, zünden aber nicht wirklich – zumindest für mich – und die expressiven und explorativen Quadranten kommen völlig zu kurz.

    4. Aufgrund der starken Betonung der kompetitiven Elemente ist das wichtigste Feedback der eigene Kurs und das Ranking in versch. Leaderboards. Um diese beiden KPIs hoch zu halten, muss man rel. viel Zeit investieren. Ich weiß deshalb nicht, wie lange mich das motivieren könnte. Ich selbst bin mehr analytisch/explorativ motiviert und vermute, dass mich das rein kompetitive auf Dauer nicht wird motivieren können, nachdem ich die wichtigsten Aspekte alle erkundet und die Regeln/Mechanismen (fast) aller verstanden habe.

    Fazit: Durchwachsen. Handwerklich gut gemacht. Schöner Showcase. Zu starker Fokus auf extrinsische Motivation. Intrinsische Motivation nur für wettbewerbsorientierte Menschen vorhanden.

    Als Beispiel für Gamification m.E. etwas gefährlich, das vor allem Gamification-Mechanismen genutzt werden und ein klarer Fokus auf Flow und intrinsische Motivation fehlt.


    • sysadmin says:

      Danke für Deinen Kommentar. Stimme Dir zu, dass ein bisschen mehr an sozialen Nutzenfeature dem Dienst gut tun würde. Bzgl. dem kompetitiven Nutzen und dem dafür einzusetzenden Zeitfaktor ist allerdings zu sagen, dass man sich IMHO nicht unbedingt auf EA täglich aufhalten muss, aber in den verlinkten Netzwerken aktiv sein muss. Grüsse. Björn.

  2. Dieter Schwarz says:

    Guter Artikel, auch wenn ich glaube, dass EAv noch immer total unterschätzt wird.
    Ich seh das Potential bei weitem über dem von Twitter!
    Achja, und ich würde dir raten, auf deiner EAv Wall die Shouts und Messages wieder frei zu geben, da du nicht nur den sozialen Aspekt dadurch killst, sondern die “Shout-Aktions” extrem zu deinem Aktienkurs beitragen.
    Es ist in meinem Eigeninteresse, da ich eben 80 Aktien von dir gekauft habe! ;))

    lg,
    Dieter
    W2M