Oberstaufen – Mit der Google Street View Torte zum Social Media Scoop

Oberstaufen war das erste digitale Dorf Deutschlands: Noch vor den 20 größten deutschen Städten gingen die Oberstaufener Straßen im November 2010 online. Wie es der Urlaubsort dazu gebracht hat, berichtet Bianca Keybach beim PR 2.0 FORUM. Sie ist Geschäftsführerin beim Oberstaufen Tourismus Marketing und war maßgeblich an diesem Social Media Ereignis beteiligt.

1) Frau Keybach, Sie sprechen beim PR 2.0 FORUM über den Medien Scoop von Oberstaufen Tourismus. Mit welchen drei Schlagworten können Sie Ihren Beitrag beschreiben?

Leidenschaftlich – authentisch – außergewöhnlich

2) Können Sie kurz die Ereignisse vom letzten Herbst zusammenfassen?

Google´s Street View wurde als Sommerlochthema in Deutschland einseitig kritisch diskutiert, während wir zahlreiche Chancen für uns als Tourismusort sahen und die allgemeine Panik nicht nachvollziehen konnten. Deshalb wurde kurzerhand eine Torte mit der Aufschrift “Street View – Willkommen in Oberstaufen” gebacken, auf unserer Facebook-Seite gepostet und über Twitter verbreitet. Die Reaktionen waren fast durchweg positiv, weshalb im zweiten Schritt die klassischen Medien einbezogen und schließlich auch Google direkt kontaktiert wurde – mit dem Ergebnis, dass Oberstaufen Anfang November als erste Gemeinde Deutschlands in Street View online ging.

3) ) Welche Bedeutung hatte Social Media bei dem realisierten Medien-Rummel?

Das Web 2.0 war in diesem Fall das Epizentrum, von dem alles ausging, denn wir sahen, dass vor allem die Onliner eine weitestgehend positive Einstellung gegenüber Street View hatten und wir so natürlich diese Gemeinschaft/Community für die Kampagne nutzen konnten. Nachdem sich unsere Botschaft über Facebook, Twitter & Co verbreitet hatte, wurden verschiedene Redaktionen darauf aufmerksam, dann erst ging unsere Pressemeldung raus. Und auch als feststand, dass Oberstaufen der erste Street View Ort Deutschlands sein würde, war der Rummel und die Weiterverbreitung in den sozialen Medien mindestens so groß wie der in den klassischen Medien.

4) Was waren Ihrer Meinung nach die “Zutaten” für diesen Scoop? War es strategische Planung oder die Gunst der Stunde?

Sowohl als auch. Durch unsere vorausgegangenen Aktivitäten im Social Web hatten wir bereits einen gewissen Aufmerksamkeitsgrad erzeugt und vor allem einiges an Erfahrung gesammelt. Dieses Know-How konnten wir dann zur richtigen Zeit mit dem richtigen Thema, der richtigen Idee – nämlich einer einfachen Torte – und einer Portion Risikobereitschaft nutzten, um unsere Botschaft schnell zu verbreiten. Wichtig war dabei natürlich immer, auch strategische Handlungsszenarien für die einzelnen Schritte im Hintergrund zu haben – spätestens ab dem Zeitpunkt, als die Aktion die breite Öffentlichkeit erreichte, mussten wir sehr überlegt an die darauffolgenden Schritte herangehen.

5) Welche Erwartungen haben Sie an das PR 2.0 FORUM? Was wird nach Ihrer Meinung dieses Jahr am heißesten diskutiert werden?

Ich erwarte mir ein spannendes und tiefgreifendes Forum, bei dem vielleicht auch ein bisschen kontrovers diskutiert wird, um am Ende des Tages nachhaltige Ergebnisse mit nach Hause nehmen zu können. Vor allem freue ich mich auf den Erfahrungsaustausch mit anderen Branchen, um so immer einen gewissen “Blick über den Tellerrand” zu bewahren. 2011 wird in meinem Augen ein spannendes Jahr werden: Ich glaube, die Diskussion um Privatsphäre und Datenschutz zwischen den klassischen Medien und der Online-Welt wird ihren Höhepunkt erreichen. Außerdem dürfen wir uns auf die ein oder andere Innovation freuen, denn es könnte das Jahr des “Mobile Travel” werden – mit allem, was dazugehört.