Review 2010 & Frühstart in die Saison 2011

Die kommenden Wochen heisst es wieder – “das war 2010 und das sind unsere Prognosen für 2011!” Da ich bei diesem Spiel bisher immer schlecht ausgesehen habe, ergreife ich dieses Jahr die Flucht nach vorne und melde mich schon im November zu Wort.

Review 2010 – Social Media ist tot, lang lebe Social Media

Die Nutzung von Social Media für die Kommunikation und das Marketing hat in 2010 seine Mitte im Marketing-Mix gefunden – das steht außer Frage. Begünstigt durch die wiederauflebenden Wirtschaft floss (zu-)viel Geld in den Einsatz dieser neuen Kanäle. “Social Media” gehört nun zum guten Ton für den “Digital Marketer” – egal, ob er darin durch und durch aufgegangen ist oder es als weiteren Kanal versteht. Schon kommen die ersten Zweifel über den Sinn mancher Aktivitäten wie Facebook-Pages, die zuwenig Feedback oder zuviel negatives Feedback auf einen Schlag ans Tageslicht bringen. Dennoch – das Fazit ist: “Social Media” ist nicht mehr eine Disziplin, die von ein paar “Spinnern” organisiert wird. Nein! “Social Media” gehört zum “Mainstream” und es geht nun einmal weniger um das “Ob” sondern um das “Wie”. Und hier scheiden sich sicherlich die Geisteshaltungen zwischen den Fundis und Realos, wie auch die Diskussionen der letzten Woche gezeigt haben mag. Es ist eine Frage, wie ich das “Social”-Thema verstehen – als Aktionsmodul (neben den anderen Modulen) oder Kernphilosophie des Digital Marketing. Social as Stack or Philosophy for Digital Marketing Allzu oft wurde es in den Kampagenen von 2010 nur als neuer Kanal und Aktionsmodul verstanden – ohne ein Verständnis für die neue Umwelt und die neuen Paradigmen aufzubauen. Vielmehr muss das Thema tiefer in das Selbstverständnis der unterstützenden Agentur bzw. des Unternehmens rücken und “Social” als neuen Umgang mit dem Kunden im Web und darüber hinaus (denn der Online ist auch Offliner und lässt sich nicht nur auf Online begrenzen!) verstehen. Und da sind wir auch schon bei der Prognose für 2011…

Prognose 2011 – Veränderung des (Digital) Marketing auf allen Ebenen

Ob es nun in 2011 schon durch alle Wirtschaftsbereiche (sprich alle Branchen, Unternehmensgrößen wie auch Unternehmen und Dienstleister) durchgezogen hat oder noch “ein-zwei-drei” weitere Jahre bedarf, mag mein Orakel mir nicht antworten – aber ich bin davon überzeugt, dass wir folgende weitere Veränderungen nach und nach sehen werden:

  • Abkehr von einer Marktentwicklungsorientierung der Unternehmen: Die Unternehmen und ihre Dienstleister werden verstehen, dass sie den Konsum weniger direkt in bestimmte Richtungen und Nachfrageorientierungen lenken können, sondern vielmehr dorthin gehen müssen, wo wirklich Nachfrage besteht und dieser so nachkommen, wie es der Konsument wünscht. Alles andere ist in einer transparenten Informationslandschaft auch als “Harakiri” zu verstehen.
  • Aufbau von wahrhaftigen und nachhaltigen “Earned Media”-Räumen: “Earned Media” bezeichnet die Interaktionskanäle, in denen sich das Unternehmen eine Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit erarbeitet bzw. verdient hat, so dass es von den Konsumenten als Gesprächs- und Interaktionspartner wahrgenommen und anerkannt wird (siehe auch Wikipedia oder Martin Oetting). Als wahrhaftig bezeichne ich solche “Earned Media”, die von Unternehmen auch strategisch als Solche begriffen werden und im Marketing-System verankert sind. Und nicht nur in der ausführenden Agentur oder der Social Media Abteilung. Als nachhaltig bezeichne ich solche, die nachhaltig aufrecht erhalten. Diese “Earned Media”-Räume stellen IMHO den Resonanzkörper für alle weitere Social Media-Aktivitäten dar.
  • Integration des Konsumenten in die marktgerichtete Wertschöpfungskette: Hierbei geht es mir um den Einzug der “Social Customer”-Orientierung (sprich des als Interaktions- und Transaktions-PARTNER ernstgenommenen Kunden) in alle marktgerichteten Aktivitäten. Hier möchte ich auf einen Artikel von mir in unserem N:Sight-Blog verweisen, wo ich das Thema in Bezug auf eine Abgrenzung von “Social Marketing” zum “Social CRM” aufgegriffen und folgende Darstellung publiziert habe:

Integration des Social Customer in die marktgerichteten Aktivitäten

Ausblick 2011 – Deutliche Tiefenorientierung für Konferenzthemen in 2011

Mit der einhergehenden Professionalisierung des Bereiches wollen wir auf unseren Konferenzen in 2011 natürlich die Dinge auch viel tiefer hinterfragen und diskutieren. Wir ziehen dabei aber in 2011 immer noch eine klare Trennlinie zwischen der Kommunikation und dem Marketing – denn auch wenn sich das Verständnis in Unternehmen hoffentlich ändert, werden sich die Kompetenz- und Verantwortungsbereiche in 2011 noch nicht vollständig verschieben. Mit den Veränderungen der Kommunikation beschäftigt sich auch in 2011 nach wie vor, dass PR 2.0 FORUM am 10.02. Hier sollen die Herausforderungen auf dem Weg zum nachhaltigen Aufbau der “Earned Media” diskutiert werden. Darüber hinaus werden auch die veränderten Kompetenzfelder der Kommunikatoren adressiert – insbesondere, dass die Kommunikation heute nicht mehr nur mit Multiplikatoren sondern auch direkt mit dem Konsumenten interagiert. Weitreichender sind dann die Diskussionen im Juni zum Community & Marketing 2.0 SUMMIT 2011 – der sich mit verschiedenen Spielarten des “Social Marketing” – sprich der marktgerichteten Aktivitäten in sozialen Medien – sowie dem analytischen Teil und dem dauerhaften Management des sozialen Gefüges in dem aufgebauten “Resonanz-Raum” bzw. den “Earned-Media” (aka Community Management) beschäftigt. Folgendes Schaubild versinnbildlicht die Themen, die in diesem Zusammenhang im kommenden Jahr “en vogue” gesehen werden und die Teil des Community & Marketing 2.0 SUMMIT 2011 werden sollen: Verzahnung von Marketing 2.0 und Community Management Freue mich auf viel Feedback, Meinungen und natürlich Vorschläge für das Programm 2011 (siehe Call-for-Participation)!